Kuriose Posse um Tod des Eigentümers: Kryptobörse verliert Schlüssel zu 190 Millionen Dollar

Nachdem ihr Gründer überraschend verstorben ist, kommt die Kryptobörse Quadriga CX angeblich nicht mehr an die Millioneneinlagen ihrer Nutzer. Manch ein Betroffener vermutet dahinter einen zwielichtigen Plan.

(Foto: Rattana.R - AdobeStock)

In der Kryptogemeinde sorgt derzeit ein äußerst skurriler Vorfall für hitzige Diskussionen, der durchaus auch den Stoff für einen Hollywood-Thriller liefern könnte. Ausgangspunkt der Geschichte waren die Beschwerden mehrerer Kunden der Kryptobörse Quadriga CX, die in den vergangenen Wochen plötzlich nicht mehr an ihre dort hinterlegten Kryptowerte heran kamen. Weil der Druck immer größer wurde, veröffentlichte das Unternehmen nun eine doch etwas kurios anmutende Erklärung und stellte damit einhergehend vorerst den Dienst ein. Demnach soll der Chef und Gründer Gerald Cotten bereits vor Weihnachten auf einer Reise nach Indien überraschend den Folgen seiner Morbus-Crohn-Erkrankung erlegen sein. Auch seine Witwe bestätigte diese Version bereits vor Gericht.

Leider jedoch sei Cotten auch einzige gewesen, der Zugang zu den wichtigsten privaten Schlüsseln des Unternehmens gehabt habe. Diese seien für den Zugang zu mehreren »Cold Storage«-Konten des Unternehmens notwendig, auf dem sämtliche passiven Einlagen geparkt worden seien. Zwar habe man den Laptop des Verstorbenen aufgefunden, darauf jedoch keine Hinweise auf die fehlenden Keys entdecken können. Lediglich den Zugang zum »Hot Sotarage« für die laufenden Transaktionen konnte Quadriga demnach sichern. Somit hätte Cotton mit seinem Tod die Krypto-Einlagen der Kunden in Höhe von rund 190 Millionen US-Dollar mit ins Grab genommen.

Als wäre all das nicht schon dubios genug, gibt es an der Geschichte zudem zahlreiche Ungereimtheiten. Das beginnt schon bei der Frage, warum die Börse ihre Kunden erst nach über einem Monat über den angeblichen Tod des Chefs und die damit zusammenhängenden Komplikationen informiert und bis dahin trotzdem weiterhin Einzahlungen angenommen hat. Auch medizinisch ist es äußerst verwunderlich, dass ein medikamentös gut eingestellter 30-jähriger spontan an Morbus Crohn gestorben sein soll. Einige Blockchain-Experten wie Zero Research Proof kommen nach tiefgreifenden Recherchen darüber hinaus zu dem Schluss, dass es besagtes Cold Wallet nie gegeben habe. Vielmehr habe Quadriga Auszahlungen stets nur direkt aus den laufenden Einzahlungen beglichen.

Somit könnte die ganze Geschichte statt eines traurigen Vorfalls unter dem Titel »dumm gelaufen« genauso gut auch ein gut organisierter und von langer Hand geplanter Betrugsfall sein.