Rund 4.400 Jobs fallen weg: SAP baut massiv um

SAP-Chef Bill McDermott hat eine Milliarden schwere Restrukturierung angekündigt. Tausende Jobs fallen weg, mittelfristig soll die Belegschaft aber wachsen. SAP bereitet sich auf die nächste Technologiewelle vor: Künstliche Intelligenz und IoT.

4.400 SAP-Mitarbeiter sollen gehen
(Foto: SAP AG / Wolfram Scheible)

Vier Jahre nach dem letzten großen Umbau steht nun ein weiterer Einschnitt bei SAP an. Europas größter Softwarehersteller kündigt am Dienstag eine konzernweite Reststrukturierung an und will rund 4.400 Jobs streichen. Bis zu 950 Millionen Euro dürfte die Umbaumaßnahme kosten. Dem stünden Einsparungen von bis zu 850 Millionen Euro gegenüber, rechnet Finanzchef Luca Mucic vor. Verhandlungen mit den Betriebsräten sollen noch im Februar beginnen.

Am Ende des Umbau sollen dennoch mehr Menschen bei SAP beschäftigt sein als vorher. Aktuell hat SAP 96.500 Mitarbeiter. SAP-Chef Bill McDermott nennt 105.000 Beschäftigte, die nächstes Jahr bei SAP arbeiten könnten.

SAP begründet den mittelfristig positiven Saldo bei der Beschäftigung mit der Umstellung auf neuere Technologien in Wachstumsbereichen. Dazu zählt der Softwareriese künstliche Intelligenz und IoT – also die Vernetzung von Maschinen und sonstigen Geräten, die eine Welle der Automation auslösen werden. Auch 2015 nach der letzten Umstrukturierung waren am Ende der Entlassungswelle mehr Menschen bei SAP beschäftigt als vor dem Umbau.

SAP treibt den Umbau offenbar aus einer Position der Stärke an. Der Auftragseingang habe 2018 erstmals die zehn Milliarden Euro-Grenze überstiegen, sagt CFO Mucic. Vor allem im Schlussquartal hätten die Lizenzverkäufe stark angezogen. Insgesamt setzte SAP im vergangenen Jahr 24,7 Milliarden Euro um - fünf Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Gewinn kletterte dagegen nur um einen Prozentpunkt auf 4,09 Milliarden Euro wegen einer höheren Steuerquote.

Trotz des dynamischen Cloud-Geschäfts und hoher Nachfrage nach Miet-Software blieben die Bruttomargen vor allem im Cloud-Bezug unter den Analystenerwartungen. An der Börse geht es daher zunächst einmal bergab für SAP. In Frankfurt verlieren die SAP-Papiere am Dienstag Nachmittag 2,6 Prozent auf knapp 90 Euro je Aktie.

McDermott kündigte an, in den nächsten ein bis zwei Jahren keine großen Übernahmen wie zuletzt zu planen. Im vergangenen Jahr hatte SAP Milliarden in Akquisitionen gesteckt und die Firmen Qualtrics für acht Milliarden Dollar sowie Callidus für 2,4 Milliarden Dollar gekauft. Jetzt will der Konzern erst einmal Schulden tilgen.

Beide Übernahmen zielen vor allem auf Wettbewerber wie Saleforce. »Wir sind sehr entschlossen, den Markt mit CRM-Software aufzumischen«, sagte McDermott im Gespräch mit den Nachrichtenagenturen dpa und dpa-AFX.

Kommentare (1) Alle Kommentare

Antwort von GG , 07:28 Uhr

Für sehr bedauernswert halte ich die Leser (m/w/x), die solchen Meldungen vordergründig Glauben schenken sollen. Das Thema hätte locker einen brauchbaren Artikel für die "Kopfnuss" abgegeben. Die SAP-Führung verzockt Geld mit sündhaft teuren Übernahmen und beklagt auch schon mal den Fachkräftemangel. Genau letztere bleiben mal wieder massenhaft auf der Strecke. Oder sollen nun etwa an deren Stelle Muttis vom kleinen Steuerzahler alimentierte Neubürger in Mindestlohn und Fladenbrot gebracht werden? Man ist ja dabei in bester Gesellschaft mit Bayer & Co. Ich kann mir den Würgereiz wirklich nicht mehr verkneifen.