Bechtle peilt Zehn-Milliarden-Euro-Umsatz an: Keine Abweichung von der Dekaden-Logik bei Bechtle

Umstritten war die neue Zielmarke beim Bechtle-Umsatz allemal. Wie ein mutiger Systemhausriese den Spagat zwischen verpflichtender Vergangenheit und zukunftsweisender Vision schaffen will.

Bechtle-Vorstände: Michael Guschlbauer, Thomas Olemotz und Jürgen Schäfer (v.l.).
(Foto: Bechtle)

Per Webcast stellten vergangenen Freitag die Bechtle-Vorstände ihren 10.000 Mitarbeitern die neue Unternehmensvision vor, die vierte, seit die Schwaben erstmals 1988 langfristige Ziele aufgestellt hatten. Und auch das ist ein Stück fast 40-jähriger Kontinuität bei Deutschlands führendem herstellerunabhängigen Systemhaus: Bechtle bleibt bei der »Dekaden-Logik«, wie CEO Thomas Olemotz darlegt. Ziel der Vision 2030: profitables Wachstum auf dann zehn Milliarden Euro.

Unumstritten war die Festlegung auf einen so langen Zeitraum nicht, denn in einer der dynamischsten und innovativsten Branchen überhaupt dürfte ein Jahr im ITK-Sektor gefühlt einem Zeitraum von vielleicht zwei oder drei Jahren in traditionellen Wirtschaftszweigen bedeuten. Man habe schrittweise und »partizipativ« im Konzern diskutiert, sagt Bechtle-Chef Olemotz und sich dann doch für die Beibehaltung eines neuen Zehn-Jahre-Zieles entschieden.

Alles also wie gehabt? Nicht ganz. Bechtle hat sich in den letzten vier, fünf Jahren durchaus im Bechtleschen Sinne radikal verändert, was, typisch Bechtle, nicht marktschreierisch an die große Glocke gehängt wurde. Das hängt damit zusammen, dass es den seit 2007 bei Bechtle zuerst als Finanzvorstand, dann seit 2009 als CEO tätigen Thomas Olemotz gelungen ist, sich von den prägenden - manche sprechen von den dominanten - Gründern Gerhard Schick und Ralf Klenk schrittweise zu emanzipieren. »Ich versuche erst gar nicht Bechtle so zu führen, wie das mein Vorgänger Ralf Klenk getan hat. Allerdings möchte ich das Unternehmen in seinem Sinne leiten«, sagte der damals Neue an der Bechtle-Spitze im CRN-Interview. Das ist nun schon fast zehn Jahre her, im Sinne Klenks lenkt Olemotz Bechtle immer noch in zwei wesentlichen Punkten.

An Bechtles heiligem Gral, der dezentralen Systemhaus-Organisation in rechtlich eigenständige GmbHs, wird nicht gerüttelt. Wer dies versuchte, wie 2004 der nur drei Wochen als Bechtle-CEO fungierende Karl-Heinz Gosmann, wurde von Schick schnellstens des Amtes enthoben. Zur Bechtle DNA gehört ferner: Ausschließlich profitables Wachstum. In Neckarsulm folgte man nie, auch nicht nach dem Börsengang 2000, der Logik des unter der Dotcomblase verblendeten Kapitalmarkts, der Internet- und IT-Unternehmen gnadenlos abstrafte, wenn sie Gewinne erwirtschafteten anstatt diese sofort zu reinvestieren. Schulden anhäufen, um noch gar nicht reife Märkte schnell zu erobern, in der Hoffnung, dann in ferner Zukunft traumhafte Renditen zu erwirtschaften, war damals das Gebot der Stunde. Es hätte Bechtle wohl genauso in die Pleite getrieben, wie die am Neuen Markt notierten Systemhauswettbewerber M+S Elektronik oder Heyde.

Übersicht