HCL übernimmt Software-Assets von IBM: IBM trennt sich von Notes, Domino, Sametime & Co.

Im vergangenen Jahr hatte IBM bereits Entwicklung und Support für eine Reihe von Software-Produkten an den indischen IT-Dienstleister HCL abgegeben, nun übernimmt dieser die Anwendungen für 1,8 Milliarden Dollar komplett.

IBM-Firmenzentrale in Armonk, New York
(Foto: IBM)

IBM stellt sich im Software-Bereich neu auf und stößt seine Lösungen aus den Bereichen Collaboration, Marketing und E-Commerce ab. Bereits vor gut einem Jahr hatte man deren Weiterentwicklung ebenso wie den Support in die Hände des indischen IT-Dienstleisters HCL gelegt, nur das Marketing und der Vertrieb verblieben bei Big Blue. Nun teilt HCL mit, dass man die Software-Assets für 1,8 Milliarden Dollar komplett übernimmt. Konkret handelt es sich um »Appscan«, eine Lösung für die sichere Anwendungsentwicklung, das Device Management »BigFix«, die Collaboration-Tools »Notes«, »Domino«, »Connections« und »Sametime«, das Marketing-Tool »Unica« sowie die Websphere-Lösungen »Commerce« und »Portal«.

IBM hatte in den vergangenen Jahren vor allen in Lösungen rund um KI, Cloud, Security, Analytics und Blockchain investiert – aufstrebende und wachstumsstarke Bereiche, wie John Kelly, Senior Vice President für Cognitive Solutions and Research bei IBM, erklärt. »Wir glauben, dass es an der Zeit ist, uns von den Software-Assets für Collaboration, Marketing und Handel zu trennen, die zunehmend als Standalone-Produkte ausgeliefert werden. Gleichzeitig glauben wir jedoch, dass diese Produkte strategisch gut zu HCL passen und dass HCL gut aufgestellt ist, Innovationen und Wachstum mit ihnen voranzutreiben.«

HCL betonte, mit den zugekauften Lösungen könne man einen Markt mit einem Volumen von 50 Milliarden Dollar bedienen. Die Produkte seien bei vielen Kunden hoch angesehen, so C Vijayakumar, President und CEO des IT-Dienstleisters, außerdem sehe man enormes Pozenzial für neue »as a Service«-Angebote.

Ganz so optimistisch sahen das die Investoren allerdings wohl nicht. Der Aktienkurs von HCL gab nach Bekanntgabe des Deals, der bis Mitte 2019 abgeschlossen werden soll, deutlich nach. Gegenüber Reuters sagten Analysten, HCL habe angesichts der Tatsache, dass es bereits eine Partnerschaft mit IBM für diese Produkte unterhielt, überbezahlt. Zudem würden sich die Lösungen größtenteils in der Mitte oder am Ende ihres Lebenszyklus befinden.