Interview: Investoren auf Perlensuche

Viel Kapital sucht Anschluss an den boomenden IT-Mittelstand. Welche Systemhäuser Investoren »sexy« finden, wann schlägt ein Malus negativ zu Buche? Julian Riedlbauer von GP.Bullhound weiß es.

Der ehemalige EP-Manager Julian Riedlbauer ist seit 2008 in der VC-Branche und Partner bei GB.Bullhound. Zuletzt hatten die »Dealmakers in Technology« Infinigate beim Merger mit Acmeo beraten.
(Foto: GP Bullhound)

CRN: IT-Systemhäuser sind bei Investoren höchst begehrt, wie wir von Systemhaus-Chefs immer wieder hören. Welche Firmen sind prominent auf deren Shortlist, welche fallen durchs Raster?

Julian Riedlbauer: Grundsätzlich ist die Nachfrage nach Übernahmen von IT- und Software-Unternehmen und Beratungsfirmen im Bereich Digitale Transformation und Investments in diesen Branchen sehr hoch. Allerdings lohnt es genauer hinzuschauen: Bei steigenden Recurring Revenues, Wachstum und Profit betrifft das vor allem Unternehmen, die nicht vom Hardware-Geschäft abhängig sind.

CRN: Welche Arten von Investoren sind an mittelständischen IT-Firmen interessiert?

Riedlbauer: Insgesamt sind es vor allem große Systemhäuser, die den Markt konsolidieren. Stehen große Systemhäuser oder größere Softwarefirmen selber zum Verkauf, kommen als Interessenten zusätzlich Private Equity-Investoren in Frage. Bei Beratungsfirmen sind es vorrangig IT- oder Strategieberater, die Firmenübernahmen tätigen. Auch Outsourcing-Dienstleister im Bereich Softwareprogrammierung und IT sind häufig an mittelständischen IT-Unternehmen interessiert, wie wir bei GP.Bullhound immer wieder feststellen.

CRN: Was zeichnet Perlen von Ladenhütern aus?


Riedlbauer: Im ersten Schritt zählt vor allem das Wachstum. Zudem achten Investoren auf Profitabilität genauso wie auf eine möglichst geringe Abhängigkeit vom Hardware-Geschäft. Zuletzt wurden auch möglichst hohe wiederkehrende Umsätze - Recurring Revenues also - als Auswahlkriterium immer wichtiger. Besonders gefragt sind momentan reine IT-Beratungsfirmen in den Bereichen Software-Entwicklung, Digitale Transformation, Salesforce und Security.

CRN: Recurring Revenues, das scheint die neue Währung zu sein, weil Investoren reines Handelsgeschäft nicht sexy finden?

Riedlbauer: Absolut. Es gilt generell: Je mehr wiederkehrende Umsätze und je weniger Hardware, desto besser.

CRN: Welche Kennzahlen bestimmen noch den Preis?

Riedlbauer: Je größer das Unternehmen, desto besser. Ebenfalls haben das Wachstum und die Profitabilitätsmarge einen großen Einfluss auf die Bewertung. Zusätzlich sollte die Firma eine möglichst geringe Abhängigkeit von bestimmten Kunden haben. Wenn ein Kunde mehr als 20 Prozent des Umsatzes und Gewinns ausmacht, ist das negativ für die Unternehmensbewertung.