Neue Business-Unit Cloudblue: Stille Cloud-Revolution bei Ingram Micro

500 Millionen US-Dollar investiert, jetzt soll die neue Business-Unit Cloudblue von Ingram Micro Früchte tragen. Die Plattformökonomie verändert nicht nur das klassische Verständnis eines Broadliners. Sie löst auch Wettbewerbsdenken alter Schule auf.

Technologielösungen aggregieren

Renée Bergeron, Senior Vice President of Global Cloud bei Ingram Micro: »Das ist das traditionelle Leistungsversprechen, das es schon immer gab und das jetzt durch die Cloud verstärkt wird«.
(Foto: CRN)

Ist Ingram Micro vor diesem Hintergrund eigentlich noch ein Broadliner? Eine Klassifizierung, die Alexander Maier nicht ohne Seitenhieb auf die Channel-Presse kommentiert. »Ihr pflegt ja noch liebevoll diese Bezeichnung«. Sie stimmt, wenn man sie, ohne Wertung, als Massengeschäft mit Produkten samt Bundles mit oder ohne Services definiert.

Stimmt sie aber auch für die Distribution nicht physischer Güter? Durchaus, denn das Ziel von Ingram Micro im Cloud-Geschäft zielt ja auch auf Masse.
»Der größte Wert der traditionellen Distribution für einen Cloud-Anbieter besteht darin, dass er ein Aggregator von Technologielösungen ist, der Zugang zu einem riesigen Netzwerk von Partnern bietet, sagt Maiers Kollegin Renée Bergeron, Senior Vice President of Global Cloud bei Ingram Micro und ergänzt: »Das ist das traditionelle Leistungsversprechen, das es schon immer gab und das jetzt durch die Cloud verstärkt wird«.

Was allerdings in der alles-als-Service getriebenen ITK-Branche bei einem heutigen Distributor hinzukommen muss, vergleichbar mit der auch erst in vielen Jahren erarbeiteten Logistikkompetenz, ist eine »Cloud Commerce Engine«, wie sich Cloudblue bezeichnet. »Wir sind nicht nur ein Händler. Wir sind ein Softwareanbieter, ein Plattform-Betreiber«, sagt Bergeron.

Noch fällt es Ingram Micro und auch anderen Broadlinern schwer, Partnern, dem Kapitalmarkt und nicht zuletzt der Fachpresse diese neue Sichtweise auf Distribution in der Plattformökonomie näher zu bringen. Damit stehen sie immerhin in guter Gesellschaft mit Systemhäusern und deren Kunden, die sich fragen müssen, wo und wie sie künftig ihren Platz in der Digitalen Transformation finden wollen.

Es muss nicht gleich die radikale Disruption sein, denn nicht jedes bewährte Geschäftsmodell fällt schließlich einer schöpferischen Zerstörung zum Opfer. Sich allerdings auf seine Stärken aus der Vergangenheit auszuruhen, könnte tatsächlich der Schritt in eine Todeszone sein.

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