Großer Nachholbedarf in Deutschland: Das Gesundheitswesen verschläft die Digitalisierung

Rezepte digital übermitteln, Diagnosen per Video stellen, wichtige Daten in elektronischen Patientenakten einstellen. Ist das schon Realität? Inwieweit kommt der digitale Fortschritt beim Patienten an? Eine Studie sagt: Deutschland hinkt schwer hinterher.

Digitale Ferndiagnosen, Impfpässe und Medikationspläne

Schon seit Jahren geplant seien elektronische Patientenakten, mit denen sich etwa gefährliche Wechselwirkungen bei der Einnahme mehrerer Medikamente verhindern ließen. Diese sollten zwar alle Krankenkassen bis 2021 anbieten, für die Umsetzung gebe es aber noch keinen klaren Kompass, sagte Thranberend.

Die Bertelsmann-Studie sieht Estland und Dänemark an der Spitze der digitalen Transformation. Alle Bürger könnten dort ihre Untersuchungsergebnisse, Medikationspläne und Impfdaten online einsehen - und Zugriffsmöglichkeiten für Ärzte und andere Gesundheitsberufe selbst verwalteten.

In Kanada und Israel seien Ferndiagnose und -behandlungen per Video »selbstverständlicher Teil der Gesundheitsversorgung«, wie die Studie ergab. In Deutschland sei das rechtlich möglich und finde mitunter auch bei bestimmten Krankheitsbildern statt. Aber nur sehr wenige Mediziner bieten das Thranberend zufolge an. Ärzte in anderen Staaten seien schon mehrere Schritte weiter. So setze man in Israel bereits systematisch Künstliche Intelligenz zur Krebs-Früherkennung ein.

Dagegen seien erfolgversprechende digitale Ansätze hierzulande noch nicht in der Regelversorgung angekommen. »Dass Deutschland einen solchen Rückstand hat, liegt nicht an fehlenden Technologien oder gar am mangelnden Innovationspotenzial des Landes«, heißt es. Auch Datenschutz-Bedenken werden nicht angeführt.