Innovative Digital-Politik: Von Dorf-Apps bis zu regionalen Lieferketten

Politik muss nicht immer langweilig und kompliziert sein. Beim «Innovation in Politics»-Award werden nun in Wien vor allem bürgernahe Projekte ausgezeichnet.

(Foto: mrmohock/Fotolia)

Innovation und Politik - zwei Dinge, die oft nur schwer zueinander finden. Politik wirkt auf die Menschen allzu oft nur wie ein Machtspiel mit komplizierten Beschlüssen, Sonderregelungen und komplizierten Wörtern. Beim »Innovation in Politics«-Award geht es dagegen um bürgernahe Projekte aus Europa, um fortschrittliche Ideen meist im Lokalen. Vergeben werden die Preise am Samstag in Wien zum zweiten Mal. Veranstalter ist das gleichnamige Institut mit Sitz in Österreichs Hauptstadt, das von Privatpersonen aus Europa gegründet wurde, um das Vertrauen der Bürger in die Politik zu stärken. In acht Kategorien sind 80 Projekte fürs Finale nominiert. Eine Auswahl:

REGIOTHEK: Immer mehr Verbraucher setzen bei der Auswahl ihrer Lebensmittel auf Regionalität und Transparenz. Woher bekommt der Bäcker an der Ecke sein Mehl? Und das Lieblingsrestaurants das Fleisch? Auf einer Homepage können Verkäufer diese Angaben veröffentlichen. Auf einer großen Landkarte entsteht so ein Netz, das den Warenweg vom Lieferanten des Futters bis hin zum Lokal zeigt. Anton Kohlbauer, Bastian Kühnel, Simon Nestmeier und Alexander Treml haben die Regiothek in Passau gegründet, rund 40 Betriebe vor allem aus der Region sind schon dabei. Im kommenden Jahr soll expandiert werden. »Eigentlich lässt sich die Plattform auf alle Branchen ausweiten«, sagen die Entwickler. Sie wollen sich aber zunächst auf die Lieferwege der Lebensmittel beschränken.

DIGITALE DÖRFER: Eine gute Nahversorgung, eine bessere Mobilität und eine Stärkung des Ehrenamts gehörten zu den Zielen der »Digitalen Dörfer«. Wichtigstes Hilfsmittel: das Internet. Mit verschiedenen Apps wurde die Kommunikation in den Projektdörfern in Rheinland-Pfalz und mit der Verwaltung verbessert, ein kleiner Lieferservice von Nachbarn für Nachbarn eingerichtet. Das Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering (IESE) in Kaiserslautern lieferte die Technik, die inzwischen 14 Kommunen und Landkreise aus mehreren Bundesländern übernommen haben. »Wir begreifen Digitalisierung als Werkzeug für eine bessere Lebensqualität«, sagt Steffen Hess vom IESE. Die Gemeinden müssten für sich herausfinden, welche Netzwerke sie bräuchten. »Dann erhalten sie durch digitale Dienste einen Standortvorteil.« Das Projekt wurde vom Land Rheinland-Pfalz mit drei Millionen Euro unterstützt.

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