Bechtle und die eigenwillige Börsen-Logik: »Zeichen stehen durchgehend auf grün«

Wäre die Börse derzeit nicht so extrem nervös, Systemhaus Bechtle hätte das dritte Quartal gänzlich bejubeln können. Manchmal reicht schon ein Satz, um den Aktienkurs in den Keller zu schicken.

Trotz guter Quartalszahlen folgt die Börse Bechtle-CEO Thomas Olemotz heute nicht

Allmählich stellt man sich bei Bechtle auch unter dem Jahr auf Rekorde ein und muss nicht bis zur Jahresbilanz warten. Erstmals in seiner mittlerweile mehr als 30-jährigen Geschichte setzte das Systemhaus im Zeitraum Juli bis September eine Milliarde Euro um: 1,05 Milliarden Euro bedeuten ein Plus von 20,1 Prozent zum Vorjahreszeitraum. Der Kauf der französischen IT-Handelsgruppe Inmac Wstore half natürlich. Aber auch ohne die größte Akquisition der Bechtle-Geschichte und weiterer kleinerer Zukäufe lag das organische Wachstum bei guten 15,1 Prozent.
Wer groß ist, den macht die ungebrochen blendende IT-Konjunktur noch größer – falls das Management keine gravierenden Fehler macht. Deutschlands führendes herstellerunabhängiges Systemhaus ist dafür ein Paradebeispiel – seit Jahren übrigens.

»Die Zeichen in allen Geschäftssegmenten stehen durchgehend auf grün«, lobt denn auch CEO Thomas Olemotz die Arbeit der 9.650 Bechtle-Angestellten - darunter 650 Auszubildende, womit er sein Ziel von 10.000 Mitarbeitern bis 2020 selbst dann schon früher erreichen dürfte, sollten die zähen Verhandlungen mit IBM um einen Betriebsübergang von rund 500 Mitarbeitern doch noch scheitern, die zu Bechtle wechseln sollen.

Insgesamt bilanzierte Bechtle im dritten Quartal 2018 einen Vorsteuergewinn von 46,1 Millionen Euro, ein Plus von 9,3 Prozent. Die schon im August erhöhte Jahresprognose wurde bekräftigt. Bechtle will Umsatz und Ergebnis »sehr deutlich steigern« und die »EBT-Marge« leicht erhöhen. Auf ein ohnehin schon hohes Niveau draufzusatteln, wird immer schwerer und müsste, denkt man, am Kapitalmarkt eigentlich honoriert werden. Doch die Börse folgt einer eigenen Logik, die viel mit Stimmung und Psychologie zu tun hat.

Angesichts eingetrübter Konjunkturaussichten in Deutschland und seit Wochen schon nervöser Börsen auf Talfahrt, reichte daher im Prinzip schon ein Satz vom Bechtle-CEO, um die Aktien seines Hauses am Mittwoch früh um mehr als drei Prozent in den Keller zu schicken – ein Kursrutsch, deutlich tiefer als der unveränderte Tecdax, in dem Bechtle vertreten ist. »Die angestrebte EBT-Marge ist ambitioniert, aber nach wie vor erreichbar«, geht Olemotz optimistisch ins traditionell starke Jahresendgeschäft. Der Kapitalmarkt folgt den CEO heute nicht.