Neues Verhalten der Nutzer: Facebook muss Werbegeschäft anpassen

Facebooks Werbegeschäft schien nicht aufzuhalten, doch jetzt bereitet Gründer und Chef Mark Zuckerberg Investoren auf ein langsameres Wachstum vor. Und das hat tiefer gehende Gründe als die Probleme in Europa oder die jüngsten Datenskandale.

Facebook-Chef Mark Zuckerberg muss sein Kernprodukt wieder einmal neu erfinden

Facebook steht ein Umbruch in seinem Werbegeschäft bevor, der die jahrelang auf Hochtouren laufende Geldmaschine des Online-Netzwerks abbremsen wird. Die Mitglieder teilten ihre Beiträge verstärkt im kleineren Freundeskreis statt im Newsfeed, der bisher das Herzstück der Facebook-Nutzung war, wie Gründer und Chef Mark Zuckerberg am Dienstag erläuterte. Facebook muss deswegen sein Geschäft umbauen - und tastet sich erst zu einer Lösung durch.

Denn aktuell kommen die Milliardengewinne des Online-Netzwerks fast ausschließlich aus dem Newsfeed, der viel Platz für Anzeigen bietet. Beim Geldverdienen in seinen Chatdiensten WhatsApp und Messenger sowie den neuen Formaten auf der Facebook-Plattform steht die Firma aber erst am Anfang und weiß zum Beispiel noch nicht, wie sich die Anzeigenpreise entwickeln werden. »Das ist eine Reise, die Jahre und nicht Quartale dauern wird«, sagte Finanzchef Dave Wehner.

Zu den neuen Formaten gehören zum Beispiel die sogenannten »Stories«, bei denen Nutzer ihre Fotos und Videos für einen Tag für ausgewählte Freunde veröffentlichen. »In nicht allzu ferner Zukunft werden die Leute mehr in Stories als in Feeds teilen«, prognostizierte Zuckerberg.

Es hat eine gewisse Ironie, dass Facebook das »Stories«-Format hemmungslos beim Herausforderer Snapchat kopierte. Facebook gelang es dadurch zwar, den Aufstieg von Snapchat zu stoppen - die Foto-App kämpft seitdem mit Nutzerschwund. Doch jetzt muss Facebook selbst die wirtschaftlichen Konsequenzen des veränderten Nutzer-Verhaltens tragen. Der Wandel verlaufe weniger geschmeidig als er es sich erhofft habe, räumte Zuckerberg ein. Doch für Facebook spreche allein schon, dass täglich mehr als zwei Milliarden Menschen mindestens ein Produkt der Firma nutzen. Dem Online-Netzwerk gehört auch die erfolgreiche Foto-Plattform Instagram.

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