»Portal« sperrt die Lauscher auf: Facebook flunkert bezüglich Datenerhebung

Bei der Vorstellung seines smarten Lautsprechers »Portal« betonte Facebook, dass damit keine Nutzerdaten für Werbung gesammelt werden. Das ist jedoch nur die halbe Wahrheit.

Facebook verspricht »Portal wurde mit Blick auf Privatsphäre, Sicherheit und Schutz erstellt«
(Foto: Facebook)

Mit seinem neu vorgestellten Gerät »Portal« steigt jetzt auch Facebook in den wachsenden Markt der smarten Lautsprecher ein. Die in zwei Größen erhältliche vernetzte Box mit eigenem Display soll ähnlich wie Amazons Alexa-Produkte im Smart Home als digitaler Assistent dienen, über den sich verschiedene Apps per Sprachbefehl steuern lassen und bietet darüber hinaus auch die Möglichkeit, per Videotelefonie zu kommunizieren. Um den Nutzern – gerade angesichts der jüngsten Datenskandale – die Angst zu nehmen, sich damit einen Spion ins Wohnzimmer zu holen, betonte das Unternehmen bei der Präsentation des Portal direkt, dass es damit – im Gegensatz zu den meisten Konkurrenten – keinerlei Daten wie das Nutzungsverhalten oder Kontaktlisten zur zielgerichteten Auslieferung von Werbung sammelt.

Nur wenige Tage nach diesem hehren Versprechen ist jetzt jedoch klar, dass sich Nutzer darauf keineswegs verlassen können. Denn indem das Portal für Gespräche die bestehende Infrastruktur des Facebook-Messengers nutzt, werden hier auf jeden Fall auch dieselben Daten aufgezeichnet. Dazu gehören diverse Verhaltensdaten, beispielsweise wie oft und wie lange Gespräche geführt und welche Apps gerne genutzt werden. Und auch bei der weiteren Nutzung des Geräts werden durchaus Daten aufgezeichnet, die untere anderem für eine gezielte Werbeeinblendung genutzt werden können.

Von Medien wie Recode auf diese Tatsache angesprochen, ruderte Facebook nun zurück und bestätigte, dass Portal tatsächlich entsprechende Daten sammelt. Derzeit gebe es allerdings noch keine konkreten Pläne, diese auch zu nutzen. Das gegebene Datenschutz-Versprechen steht somit auf tönernen Füßen und kann jederzeit ohne Ankündigung widerrufen werden – was angesichts des Geschäftsmodells von Facebook nicht gerade unwahrscheinlich ist. Für die Verbraucher ist es damit im Endeffekt wertlos.