Softwareone übernimmt Comparex: IT-Services und Cloud-Software verheiratet

Mit der Fusion von Softwareone und Comparex entsteht ein neuer Player unter den IT-Dienstleistern mit starkem Fokus auf das weltweite Cloudgeschäft. Fusionsfieber angesichts rasch fortschreitender Digitalisierung und IT-Abomodelle treibt die IT-Service-Branche.

Softweareone und die Comparex-Gruppe wollen fusionieren
(Foto: Comparex)

Fast im Wochenrhythmus kaufen IT-Dienstleister und Systemhäuser Wettbewerber oder schließen sich mit komplementären, vor allem Softwarehäusern zusammen. Zeitgleich mit der Übernahme von BT Stemmer durch Bechtle geben Softwareone und die Comparex-Gruppe ihre Fusion bekannt. Man bemüht sich die Akquisition als Zusammenschluss unter Gleichen darzustellen, de facto aber verkauft die Raiffeisen Informatik GmbH ihre 100-prozentige Beteiligung an Comparex an das in Privatbesitz befindliche Schweizer Softwareunternehmen Softwareone, das gemeinsam mit dem an den Schweizern beteiligten US-Investor KKR viel Zeit auf die Suche nach dem richtigen Partner verwendet habe, wie es heißt. Bereits 2015 hatte es Gerüchte gegeben, wonach die Raiffeisen Informatik Comparex abstoßen wollte.

Sollten die Kartellbehörden grünes Licht geben, entsteht ein neuer Player im IT-Service- und Applikationsmarkt mit 5.500 Mitarbeitern (rund 3.000 davon arbeiten bei Softwareone) in 88 Ländern und Service-Einheiten in 150 Ländern – also praktisch weltweite Präsenz. Comparex mit seinen über 2.400 Mitarbeitern setzte vergangenes Geschäftsjahr 2,533 Milliarden Euro um. Softwareone wird von CRN USA auf Platz 12 der 500 größten IT-Provider mit einem Umsatz von 7 Milliarden US-Dollar gelistet. Die Mehrheit am neuen Unternehmen soll bei Softwareone bleiben, womit klar ist, dass die Schweizer die Richtung im fusionierten Unternehmen vorgeben.

Nach dem Zusammenschluss werde Softwareone, wie es heißt, »Kunden bei der Optimierung und Verwaltung von Software im Wert von über 10 Milliarden Euro unterstützen«. Das ist eine Hausnummer für die Hersteller Microsoft, AWS, Adobe, IBM, VMware, Oracle, Citrix, Redhat und Trendmicro, den wichtigsten Partnern der auf Cloud-Services spezialisierten Softwareone. Das Unternehmen verfügt aber auch eigene Lösungen wie etwa Pyra-Cloud, eine Plattform für digitales Software Supply Chain Management.

Beide Unternehmen, Comparex im IT-Infrastruktur nahem Integrationsgeschäft samt Softwarelizenzierung und Softwareone in der zunehmend auf Cloud-Lösungen basierenden Applikationswelt, stehen im Zuge der digitalen Transformation einen fundamentalen Wandel ihres Software- und Dienstleistungsgeschäfts hin zu Abonnementmodellen. »Die Übernahme von Comparex ist ein wichtiger Schritt auf diesem Weg. Gemeinsam werden wir über die Größe, die geografische Präsenz, das umfassende Portfolio und die vielfältigen Fähigkeiten verfügen, um unseren Kunden weltweit eine noch bessere Servicequalität und Stabilität zu bieten«, sagt Neil Lomax, Executive Board bei Softwareone.

Softwareone wird seinen Hauptsitz in Stans, Schweiz, beibehalten. Was langfristig mit dem Comparex-Campus in Leipzig, dem Hauptsitz des IT-Dienstleisters mit rund 650 Mitarbeitern passiert, ist noch unklar. Die ehemalige Firmenzentrale von PC-Ware (2009 an Raiffeisen Informatik verkauft) werde aber »weiterhin eine wichtige Rolle bei der Betreuung globaler und EMEA-Kunden spielen«, teilen die Unternehmen mit. Ebenso steht noch nicht fest, mit welcher Marke die Unternehmen künftig auftreten wollen.

Comparex-CEO Thomas Reich und CSO Marc Betgem werden einstweilen in das Executive Board von Softwareone eintreten. »Als gemeinsames Unternehmen werden wir Großes erreichen können«, ist Betgem überzeugt.

In der ersten Jahreshälfte 2019 soll der Zusammenschluss vollzogen sein, wenn die wettbewerbsbehördlichen und andere regulatorischen Genehmigungen vorliegen.