Autonom ist Trumpf bei Oracle: »So revolutionär wie das Internet«

Oracle-Manager Gerhard Schlabschi erklärt im Gespräch mit CRN, warum autonome Datenbanken und Services einen Mehrwert für die Kunden bedeuten.

erhard Schlabschi, Director Systems, Technology & Cloud bei Oracle
(Foto: Oracle)

»Bisher war das Modell so, dass man Software verkauft, und in der Cloud liefert man den Service. Wenn ich Software verkaufe, brauche ich Administratoren, denen ich beibringe, wie man die Software konfiguriert und wie man sie auf verschiedenen Plattformen ausrollt«, beginnt Gerhard Schlabschi, Director Systems, Technology & Cloud bei Oracle im Gespräch mit CRN.

Den Unternehmen fehlten aber oft die nötigen Ressourcen. Sobald man in ein Rechenzentrum reingehe, finde man die meiste Software nicht auf dem aktuellsten Stand vor. Hier helfe autonome Software. »Im Prinzip sind autonome Software und autonome Services eine Art Best Practice aus den Administrationskursen. Als Software-Hersteller müssen Sie nicht mehr raten, welche Hardware der Kunde hat, sondern Sie wissen genau, worauf die Software läuft. In der Cloud haben Sie zudem die verschiedensten Kunden und auch die verschiedensten Workloads und können sehr schnell Erfahrungen aufbauen«, erklärt Schlabschi. Ein Admin, der zum ersten Mal eine Software aufsetzt, hat wenig Erfahrung. Er wächst nur mit den Aufgaben, die er bekommt, und bei neuen Aufgaben muss er sich erst einarbeiten. »Bei autonomen Services kommen im Viertelstundentakt neue Aufgaben rein, und mit Hilfe von Maschine Learning kann man schauen, was funktioniert denn am besten. Man bringt eine Erfahrungskomponente mit rein.« Oracle-CEO Larry Ellison hat gesagt, das ist so revolutionär wie das Internet.

Schlabschi fährt fort: »Das klassische Rechenzentrum hat mittlerweile Dimensionen erreicht, die die wenigsten Kunden vollständig in der Hand halten. Die Themen sind immer die gleichen: Konsolidierung und Vereinfachung der Administration. Diese Themen gehen nicht weg, wenn Sie in die Cloud gehen.« Das wichtigste Thema aber sei die Security. »Bei uns sind sämtliche Verbindungen automatisch verschlüsselt. Viele lassen im Rechenzentrum die Security Features weg. Wenn Sie damit 1 zu 1 in die Cloud gehen, ist das ein Desaster. Was mich beschäftigt, ist der Gang in die Cloud als Replatforming. Sie nehmen den Stack den sie zuhause haben und stopfen ihn in die Cloud, das kann es nicht sein.«

Der Unterschied zwischen Automatisierung und Automatisierung ist laut Schlabschi die Erfahrungskomponente. Je komplexer die Aufgabenstellung sei, desto mehr bringe die Autonomisierung. Dem Eindruck, dass Admins nicht begeistert seien, weil autonome Software ihnen Teile der Arbeit wegnehme, tritt der Manager entgegen: »Das würde ich nicht sagen. Das Rechenzentrum von heute ist vom Idealzustand ein Stück weit weg. Der Admin hat viel Druck und repetitive Aufgaben, etwa um Security-Patches bereitzustellen. Ein Kunde von uns hat 17.000 Datenbanken. Wenn er viermal im Jahr einen Patch einspielen will, dann braucht er 35 Head Counts nur zum Datenbankenpatchen. Mit autonomen Services kommt da Entspannung rein.« Ziel sei es auf den PaaS-Layer dieselbe Einfachheit zu bringen wie auf dem SaaS-Layer. »Wir bauen nicht Rechenzentren wie die Wilden. Wir investieren in Services«, so Schlabschi.

Auch bei der Hardware sieht Schlabschi Besonderheiten: »Unser Bare Metal hat nicht nur keine Software drauf, sondern sämtliche Ressourcen sind mit einem Sternnetzwerk verbunden, die nicht geteilt sind, es gibt also keine Noisy Neighbours.« So kann vermieden werden, dass ein Nutzer nicht alle Ressourcen ausschöpfen kann, weil ein anderer gerade Lastspitzen fährt und die Ressourcen bindet. Der Traffic wird dabei praktisch schon auf Netzwerkebene verteilt. Diese Trennung führt auch zu mehr Sicherheit, zumal alle Datenbanken verschlüsselt werden. »Wir bauen unsere Bare-Metal-Elemente übrigens selbst.«

Auch in Sachen Blockchain ist Oracle inzwischen aktiv: »Wir stellen ein Toolset bereit, mit dem Kunden ein Blockchain-Environment aufbauen können. Das ist eine ideale Einstiegsmöglichkeit.« Das Autonomous Data Warehouse in Frankfurt hat mittlerweile die ersten Kunden. »Artificial Intelligence und Machine Learning haben eine gigantische Zukunft im Rechenzentrum, das wird rasend schnell gehen«, schließt Schlabschi.