Editorial CRN 37/2018: Verlierer und Gewinner der Digitalisierung

Die Karstadt/Kaufhof-Fusion sowie Wirecard statt Commerzbank im DAX zeigen den tiefgreifenden Wandel, den die fortschreitende Digitalisierung auslöst. Sogar das Bargeld könnte bald Geschichte werden.

Zwei Ereignisse aus der letzten Woche zeigen, wie die Digitalisierung mittlerweile die so genannte »Old Economy« überflügelt. Karstadt und mehr noch Kaufhof stehen angesichts rapide schrumpfender Einzelhandelsumsätze mit dem Rücken zur Wand. Das mehr als 100 Jahre alte Warenhauskonzept - Vollsortiment in breiter Filialstruktur - wird vom rasanten Wachstum im E-Commerce überrollt. Die bevorstehende Fusion der beiden Häuser macht den langen Weg zur Deutschen Warenhaus AG zwar frei. Das Konstrukt kommt spät, wahrscheinlich zu spät.
Es ist eine Notgemeinschaft und eine Zweckehe, denn für die Investoren ist das eigentliche Handelsgeschäft der Warenhäuser nicht werthaltig. Lukrativ scheint nur noch die Verwertung der Immobilien in bester Innenstadtlage zu sein. Es wird zu Filialschließungen und Entlassungen kommen.

Auch der traditionelle Bankensektor erlebt einen Umbruch. Die Commerzbank scheidet am 24. September aus dem wichtigsten deutschen Börsenleitindex DAX aus, in den stattdessen Wirecard aufrückt. Der um die Jahrtausendwende gegründete digitale Zahlungsdienstleister aus Aschheim bei München betreibt sein Geschäft weltweit und ist mit rund 21 Milliarden Euro an der Börse doppelt so hoch bewertet wie Absteiger Commerzbank.

Sogar die Deutsche Bank hat der Milliardär und Wirecard-Chef Markus Braun überflügelt. Jeder, der mit Plastikgeld oder per App bezahlt, macht ihn und Aktionäre des Zahlungsabwicklers noch reicher. Brauns Vision: Er will das Bargeld überflüssig machen.

Wirecard ist nach Zalando die erfolgreichste deutsche Gründerstory schreibt die »FAZ«. Ob die Digitalisierung mehr Gewinner als Verlierer hervorbringt, bliebt abzuwarten.

Martin Fryba
CRN-Chefredakteur