CRN-Kopfnuss: Game over im Bundeswehr-Spiel

Auf der Gamescom warb die Bundeswehr im Gamer-Jargon um Rekruten. Aber kann der übertriebene Realismus des echten Gefechts die Spieler tatsächlich locken, fragt sich die CRN-Kopfnuss?

(Foto: TimeStopper - Fotolia)

Oft und ausgiebig wurde in der Politik in den vergangenen Jahren über Ballerspiele geschimpft. Diese würden Gewalt verherrlichen, zur Verrohung der Gesellschaft beitragen und Jugendliche zu Amokläufern und Attentätern machen. Präferierte Lösung der Spielegegner: einfach verbieten. Dabei könnte man die kampfbegeisterten Gamer super zur Landesverteidigung einsetzen, dachte man sich wohl bei der Bundewehr und warb auf der Gamescom mit Plakaten um diese Zielgruppe. In den Medien und der Öffentlichkeit wurde die Kampagne teilweise heftig diskutiert, doch auf Seiten der Politik blieb es erstaunlich ruhig. Klar, Ballerspiele sind böse, aber die Bundeswehr braucht nun mal dringend Rekruten. Wahrscheinlich ist der eine oder andere Innere-Sicherheit-Fetischist sogar glücklich, die potenziellen Gewalttäter künftig am Hindukusch und nicht in deutschen Städten zu wissen.

Dabei kann man getrost davon ausgehen, dass die Werbung in der Zielgruppe nicht verfängt – da kann die Bundeswehr noch so sehr mit Multiplayer und Open World trommeln. Die Mitspieler, die schon länger dabei sind, dürften die meisten Gamer als nervig empfinden, bestenfalls. Und die offene Spielwelt kann nicht wie beworben frei erkundet werden, weil den Anweisungen höherrangiger Spieler strikt Folge zu leisten ist. Sie entscheiden, wann der neue Mitspieler was zu tun hat und wohin er gehen soll. Das wirkt abschreckend, selbst wenn man Länder bereist und Leute kennenlernt, die normale Touristen kaum zu Gesicht bekommen.

Dazu kommt der übertriebene Realismus. Die Wettersimulation hält große Hitze bereit, könnte in späteren Versionen aber auch andere Extreme wie Kälte oder übermäßigen Regen bieten. Das Setting ist zumeist eher sandig, staubig. Und dann die endlos langen Spielezeiten, die sich über Monate und Jahre ziehen – da kann es ganz schön langweilig werden. Allerdings drohen auch die Action-Sequenzen durchzufallen: die eigene Ausrüstung veraltet oder kaputt, quasi verbuggt, der Gegner zahlenmäßig überlegen und mit umfassender Geländekenntnis deutlich im Vorteil. Das ist dann wirklich nur etwas für Hardcore-Gamer, zumal das Bundeswehr-Spiel keine Saves und keinen Respawn unterstützt. Da heißt es schnell Game over.