Studie von Trusted Shops: Onlinehändler sehen sich durch Abmahnungen in ihrer Existenz bedroht

Fast jeder vierte Onlinehändler wurde in den vergangenen zwölf Monaten abgemahnt, zumeist wegen Verstößen gegen das Widerrufsrecht. Für mehr als die Hälfte der Abmahnung zeichnet ein einziger Verband verantwortlich.

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Abmahnungen bleiben für Onlinehändler ein großes Risiko. Das zeigt erneut die Abmahnstudie von Trusted Shops, der zufolge allein in den vergangenen zwölf Monaten 676 der 3.199 teilnehmenden Händler abgemahnt wurden. Das sind 24 Prozent. In den meisten Fällen ging es um Verstöße gegen das Widerrufsrecht (27 Prozent), erst mit einigem Abstand folgen fehlende oder fehlerhafte Datenschutzerklärungen (10 Prozent) sowie Verstöße gegen Produktkennzeichnungen und mangelhafte AGB-Klauseln (jeweils 9 Prozent).

Im Schnitt wurden pro Abmahnung 1.384 Euro fällig – sechs Prozent mehr als im Vorjahr. Darin enthalten sind die Kosten für den eigenen und den gegnerischen Anwalt, aber nicht die Aufwände die durch die Anwaltssuche und Korrespondenz entstehen. Insgesamt lässt sich beobachten, dass die Angst vor Abmahnungen wächst. Sahen im vergangenen Jahr noch 51 Prozent der Befragten in Abmahnungen eine Existenzbedrohung, so waren es in diesem Jahr 66 Prozent.

Schon 2017 fiel der IDO Verband als besonders abmahnfreudig auf und zeichnete für 22 Prozent aller Abmahnung verantwortlich. Sein Anteil stieg in diesem Jahr auf stattliche 55 Prozent. »Die gängige Praxis einiger Abmahnvereine dient weniger dem fairen Wettbewerb als vielmehr wirtschaftlichen Eigeninteressen«, so die Einschätzung von Carsten Föhlisch, Leiter der Rechtsabteilung von Trusted Shops. »Den abgemahnten Online-Händlern fehlt meist jeglicher Vorsatz. Es werden bewusst einfachste Fehler abgemahnt, die für den Wettbewerb nicht relevant sind, aber im Tagesgeschäft immer wieder passieren können. Es geht ganz klar darum, mit Vertragsstrafen bei künftigen Verstößen Geld zu verdienen.«