Schlechte Zeiten für Respekt und Wertschätzung: Trumpisierung in den Führungsetagen

In vielen Betrieben ist der Umgangston rauer, bisweilen emotional verletzender geworden. Das wirkt sich negativ auf die Identifikation und Motivation von Mitarbeitern aus. Mittel- bis langfristig sinkt deren Leistung und schadet dem Unternehmen.

»Klartext-Redner vertragen meist keinen Klartext«

Dem robusten, jedem auf die Füße tretenden Manager folgen Mitarbeiter wie der Hund dem rohen Schnitzel. Das wird Führungsstärke genannt. Doch stimmt dieses Etikett auch im digitalen Zeitalter?

Dr. Albrecht Müllerschön ist Inhaber der Müllerschön Managementberatung, Starzeln (D). Der Wirtschaftspsychologe ist Autor mehrerer Personal-Fachbücher und war Lehrcoach an der Uni Tübingen (www.muellerschoen-beratung.de)
(Foto: Albrecht Müllerschön/Muellerschoen-Beratung)

CRN: »Die können mich mal« ist eine vorbildliche Kapitulationserklärung. Wie vermeiden gute Führungskräfte die innere Resignation ihrer Mitarbeiter?

Albrecht Müllerschön: Respekt und Wertschätzung hängt vor allem damit zusammen, wieviel Zeit sich Führungskräfte für ihre Mitarbeiter nehmen, wie aufmerksam sie zuhören, wie kompromissbereit sie bei Interessengegensätzen und Zielkonflikten sind. Auch wie auf Fehler und Versäumnisse reagiert wird, ist entscheidend.

CRN:Letzteres ist doch prima und geradezu systemimmanent notwendig, wenn man die Sündenbock-Strategie fährt und von eigenen Führungsschwächen ablenkt.

Müllerschön: Die Gefahr ist doch groß, dass eine Führungskraft irgendwann nur noch von Opportunisten, Ja-Sagern und Egoisten umgeben ist. Dann wird Engagement für die Bereichs- und Unternehmensziele zwar geheuchelt, aber nicht gezeigt.

CRN: Also doch lieber Modell harter Hund spielen und konsequent, von mir aus auch freundlich Klartext reden?

Müllerschön: Das wäre schön. Meine Erfahrung mit Klartext-Rednern ist: Sie vertragen meist keinen Klartext. Selbst auf eine sachlich begründete kritische Rückmeldung reagieren Majestäten beleidigt, vor allem wenn diese von Untergebenen kommt. Da ist das hierarchische Denken noch stark ausgeprägt – mit all den Folgen, die solche Persönlichkeiten charakterisiert: Materialist statt Idealist, statt sich intrinsisch zu motivieren – zum Beispiel sich für mehr Qualität bei der (Zusammen-)Arbeit zu engagieren – jagen sie primär Statussymbolen hinterher wie Titeln, öffentliche Anerkennung und Luxuskarossen. Solche Repräsentanten einer antiquierten Führungskultur erreichen im digitalen Zeitalter übrigens nicht viel. Ich bin überzeugt: Unternehmen können nicht darauf verzichten, dass ihre Mitarbeiter klar – also offen und angstfrei – miteinander reden und die nötige Konsequenz in ihrem Handeln zeigen.

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Kommentare (1) Alle Kommentare

Antwort von Rolf-Dieter Baer , 18:05 Uhr

1-3 :: richtig gut !