Lidl setzt SAP-Einführung in den Sand: 7 Jahre - 1000 Mitarbeiter - 500 Millionen Euro

Der missglückte Versuch, SAP einzuführen, soll Lidl mehrere hundert Millionen Euro gekostet haben. Jetzt muss der Discountriese mit seinem 30 Jahre alten, selbstgestrickten Warenwirtschaftssystem weiterarbeiten.

(Foto: Fotolia 86111173 Bertold Werkmann)

Wenn die Digitale Transformation schief geht, kann das nicht nur richtig teuer werden, sondern im schlimmsten Fall das ganze Unternehmen gefährden. Diese Erfahrung muss wohl gerade der Discounter Lidl machen. Wie das Handelsblatt berichtet, wollte Lidl die gesamte Firmen-IT und vor allem das 30 Jahre alte, selbstgestrickte Warenwirtschaftssystem auf SAP umstellen.

Für das ehrgeizige Projekt mit dem schönen Namen »Elwis« (elektronisches Lidl Warenwirtschaftsinformationssystem) wurden 1.000 Mitarbeiter von Lidl und SAP abgestellt und eine dreistellige Zahl von Beratern zusätzlich engagiert. Fast sieben Jahre soll sich das Projekt hingeschleppt haben bevor die Konzernführung jetzt offensichtlich die Reißleine zog Lidls IT-Bereichsvorstand Alexander Sonnenmoser musste bereits vor einem Jahr seinen Hut nehmen.

Jetzt muss der Handelsriese wieder bei Null anfangen. Schlimmer noch, Lidl muss mit seinem in die Jahre gekommenen Warentwirtschaftssystem weiterarbeiten, das schon vor Jahren den heutigen technologischen und unternehmerischen Anforderungen nicht mehr gerecht wurde.

Das Hauptproblem bei dem missglückten Projekt war offensichtlich nicht technischer Natur. Der Konzern zeigte Insidern zufolge wenig Bereitschaft, seine Geschäftsprozesse wo es nötig war für die Standardsoftware anzupassen. Bei einer kompletten Umstellung der Firmen-IT müssen aber grundsätzlich erst einmal alle Geschäftprozesse auf den Prüfstand. Dazu war Lidl aber wohl nicht bereit.

Kommentare (12) Alle Kommentare

Antwort von s.m. , 09:57 Uhr

Schön das mal einer den Mut hat die rauszuwerfen. Es ist immer und überall dasselbe mit SAP, es wird alles versprochen und dann muss man sein Haus auf SAP "Anpassen" damit zum Ende hin alles gleich ist und die "SAP- Fuzis" zurechtkommen, ihre Standardisierten Schulungen anbieten können usw.

…und nicht immer in eine Dokumentation schauen müssen um das System zu verstehen. LIDL hat sich sein Abläufe über Jahrzehnte erarbeitet und darum sollte das System gestrickt werden, natürlichen müssen da auch Anpassungen in den Prozessen stattfinden wir sind ja nicht mehr in den 70'ern aber mehr am SAP-System. Naja ich hätte ihnen für 50000 € geraten sich lieber für 10 Millionen hochkarätige Programmierer zu besorgen, den Rest hätte man 50 % in Werbung und 50% als Spende für wohltätige Zwecke verbuchen können. Naja so kauft sich vielleicht einer ein schönes Boot oder einen kleinen Fußballverein…mit Sicherheit verbuchen die das als Erfolg, wir haben viel aus diesem Projekt gelernt ..bla bla… vor allem habt ihr wie immer kassiert!

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Antwort von Peter , 14:48 Uhr

Sie haben anscheinend nicht viel Ahnung von SAP. Ich arbeite seit 30 Jahren im SAP Umfeld und habe schon unzählige SAP Einführungen mitgemacht. Wenn ein Unternehmen nicht bereit ist, seine Prozesse anzupassen, ist die Einführung zum scheitern verurteilt. SAP ist eine Standartsoftware. Da muss man seine Prozesse anpassen. Wer das nicht will, soll sich auch keine SAP kaufen. Es gibt genügend Alternativen. Klar muss auch SAP entsprechend customized werden, aber wer auf seinen Prozessen besteht (sehr oft ohne wirkliche Begründung, einfach nur, weil man es schon seit Jahren so macht), der hat verloren. Das weiss man aber alles auch, wenn man SAP einführt. Aber wenn man zuerst 500 Mio verbrennt und erst dann reagiert, muss einiges mächtig schief gelaufen sein bei Lidl. Das bestätigt nur den schlechten Ruf den Lidl in der IT Branche hat.

Antwort von Max , 14:12 Uhr

… Geschäftsprozesse wo es nötig war für die Standardsoftware anzupassen.

SAP ist nun mal eine Standardsoftware … wenn man SAP so verbiegen möchte wie man es sich wünscht ist man wieder bei seinen eigenen Inhouse Lösung.

nicht Release und Upgradefähig!

Antwort von g_f , 09:36 Uhr

Frau Dr. Wurm schreibt: "Bei .. kompletten Umstellung ..müssen .. alle Geschäftsprozesse auf den Prüfstand."

Ein Schlüsselsatz, eine Grundregel.

Selbst wenn diese hernach (partiell) nicht geändert werden, sind sie doch überprüft.

Ob ich final Geschäftsprozesse oder das WWS anpasse, oder beide, muss ich entscheiden, und das könnte dann auch eine Entscheidung gegen SAP sein.

Antwort von Christian , 18:39 Uhr

Geehrte Vor-Kommentatoren,

zu jeder IT-Umstellung darf neben der technischen Komponente ein weiterer wichtiger Faktor des Erfolgs nicht ausser Acht gelassen werden. Der Mensch. Ohne Change-Management passiert dieses Beispiel „Lidl“. Ich kenne SAP im Handel und bin sehr zufrieden. Wer glaubt eine Datenbank mit Schnick-Schnack-Einstellungen im Standard-Modus lässt Wunder geschehen, hat sich blenden lassen. Ohne customizing gehts nirgends. Egal welche IT.