So gefährdet KI die freie Marktwirtschaft: Automatisiertes Preiskartell

Preisabsprachen könnten im Online-Handel künftig mit Hilfe Künstlicher Intelligenz ganz automatisiert ablaufen und dafür sorgen, dass Schnäppchen bald der Vergangenheit angehören. Doch auch ganz ohne KI stimmt die Annahme nicht, dass im Internet alles billiger zu haben ist.

(Foto: CRN)

Noch in den 80er Jahren meldeten Beobachter die Preise der Tankstellenkonkurrenz per Telefon an die Zentrale, dann machten Portale wie Clever Tanken Freiwillige per App und Smartphone zu Preiswächtern, bis schließlich die meisten Tankstellen seit 2013 ihre Preis­änderungen an die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe melden müssen. Für mehr Wettbewerb und damit ­günstigere Preise hat die Teil-Automatisierung der Preisbeobachtung nicht gesorgt. Der Einsatz Künstlicher Intelligenz könnte erst Recht das Ende des Preiswettbewerbs ­bedeuten. Setzen Händler bei ihrer Preisgestaltung im Internet Computersysteme ein, reagieren diese sofort auf die Angebote eines Wettbewerbers und nivellieren ihre Preise in Echtzeit. Illegale Absprachen zwischen Managern braucht es dafür nicht. Das übernimmt intelligente Software, die, so ist zu vermuten, die Preise insgesamt hoch halten wird. Der Verbraucher hätte das Nachsehen.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier ist vor Künstlicher Intelligenz im Wettbewerbsrecht gewarnt. Die Monopolkommission unter dem Vorsitz von Achim Wambach hat dem Minister ein 400-seitiges Gutachten überreicht. Darin wird die ungelöste Frage aufgeworfen, wer eigentlich haftet, wenn selbstlernende Algorithmen gegen Wettbewerbsgesetze verstoßen: Der Internethändler oder der Entwickler solcher Algorithmen?

Doch wie steht es wirklich um die Macht eines Kartells? Ökonomen sind sich nicht einmal sicher, ob die mächtige OPEC durch ihre Absprachen über Ölfördermengen den Markt wirklich zu ihren ­Gunsten beeinflussen kann. Jeder Preisschock jedenfalls weckt bei Verbrauchern die Suche nach Alternativen. Würde KI Schnäppchenpreise unmöglich machen und das Preisniveau allgemein hoch halten, könnten Verbraucher Zweifel bekommen, dass Waren im Internet durchweg billiger zu haben sind als im stationären Handel. Auch ohne Preisfindungs-KI stimmt letzteres übrigens nicht grundsätzlich.