Open-Source-Experte Markus Rex von Datto im CRN-Interview: »Wir sind 100 Prozent Channel-fokussiert«

Im Interview mit CRN erklärt Markus Rex, Business Development Manager bei Datto, wie es zum Zusammenschluss mit Autotask kam und wie Managed Service Provider davon profitieren. Sorgen bereiten ihm mangelhafte Notfallpläne insbesondere bei kleineren Unternehmen.

Markus Rex, Business Development Manager bei Datto
(Foto: CRN)

CRN: Wie kam es zum Zusammenschluss von Datto mit Autotask?

Markus Rex: Datto wurde 2007 gegründet und hat sich von Anfang an dem Managed Service Provider Business-Modell verschrieben. Das ist in den USA übrigens wesentlich weiter fortgeschritten als hier. Später kam das Networking dazu, weil das auch das Modell gut unterstützte, dann kam Cloud-Backup dazu. Immer ging es um die Frage: Wie kann ich den MSP voranbringen? Und dann kam irgendwann der Eigentümer von Autotask und hat gesagt: »Denkt doch mal drüber nach, ob das nicht zusammenpasst.« Ein MSP muss es schaffen, ein möglichst reproduzierbares Geschäft aufzubauen. Dazu sollte er beim Kunden nicht allzu austauschbar sein. Wenn ich den Drucker betreue, bin ich austauschbar. Wenn ich aber die Daten betreue, da wechselt keiner so schnell.

CRN: Wie wachsen die Lösungen zusammen, bleiben die Produktnamen erhalten?

Rex: Der Name Autotask bleibt erhalten, ebenso die Namen der meisten Lösungen. Die Verzahnung auf technischer Ebene gab es ja schon Jahre, bevor die Gespräche angefangen haben. Die Verzahnung auf der Geschäftsseite schreitet sehr zügig voran. In Deutschland war Autotask schon wesentlich länger am Markt vertreten. Das wächst langsam Stück für Stück zusammen. Da es Null Produktlinienüberlappung gab, war es eine sehr einfache Integration.

CRN: Sie kommen ja aus der Open-Source-Welt – wieviel Open Source steckt in Datto?

Rex: Relativ viel. Da ist ein schönes Linux-System drunter. Da sind viele Open-Source-Komponenten drin und obendrauf gepackt die einfache Bedienung und die Hardcore-Technologie. Das ist dann der Datto-eigene Teil. Man muss sich für die Lösung entscheiden, die das Problem für den Nutzer oder Kunden am besten löst. Manchmal ist das eine Open-Source-Lösung und manchmal ist es eben keine Open-Source-Lösung. Da darf man nicht religiös rangehen.

CRN: Wie beurteilen Sie die GitHub-Übernahme durch Microsoft? Da wird ja viel Kritik laut.

Rex: Da Nat Friedman das macht, hab ich wenig Sorgen, der war ja früher auch bei Suse genau wie ich. Wenn es jemand anderes wäre, würde ich mir mehr Sorgen machen. Ich glaube, dass das Weltbild von einigen Leuten der Realität hinterherhinkt. Da wird auf Microsoft eingeprügelt, dabei ist Microsoft einer von denjenigen, die für die Rechte der Nutzer an ihren Daten kämpfen. Auf der anderen Seite hocken sie alle mit Apple-Laptops und iPhones da, die ein komplett geschlossenes Ökosystem sind, wo ich als Entwickler kaum eine Chance hab.

CRN: Wie lief die DattoCon?

Rex: Es ist die größte Konferenz gewesen zum Thema Managed Service Provider, die es jemals gab. Zu den wichtigsten Neuerungen gehörte sicher die Integration der Business-Continuity-Lösungen von Datto in die PSA-Plattform von Autotask. So können MSPs ihre Backup- und Disaster-Recovery-Dienste über Autotask verwalten, aber auch über andere PSA-Tools. Man kann als Endkunde nicht mehr hin gehen und sagen: Moment, der war jetzt nicht zwei Stunden die Woche bei mir vor Ort, wofür soll ich denn bezahlen? Dass der alles remote gemacht hat, kriegt mancher Endkunde gar nicht mit. Da muss man noch einen Bewusstseinswechsel schaffen.

CRN: Datto ist ja nicht nur 100 Prozent auf MSPs ausgerichtet, sondern auch auf den Channel.

Rex: Ja, wir sind 100 Prozent Channel-fokussiert. Man kann bei uns nicht direkt kaufen, sondern ausschließlich über unsere Partner. Wir wollen nicht in Konflikt stehen mit dem Partner und ihm die Preise kaputt machen. Wir erlauben auch ein White Labeling von den meisten Lösungen. Das funktioniert sehr gut. Die Kundenbindung, die der IT-Dienstleister hat, können wir als Anbieter nie erreichen.

CRN: Gibt es insbesondere bei KMUs Nachholbedarf in Sachen Notfallplanung?

Rex: Da ist noch richtig viel Nachholbedarf vorhanden. Für manche ist es vollkommen okay, dass man einmal im Jahr ausprobiert, ob ein Restore überhaupt tut. Manche sagen, die Daten sind ganz wichtig, deshalb machen wir jeden Tag ein Backup. Sie wissen aber gar nicht, ob es funktioniert. Was ich nicht verstehe: Die Deutschen versichern sich bis zum Abwinken. Aber eine »Versicherung«, dass ihr Betrieb weiterläuft und sie an ihre Daten rankommen, da wird wegen 100 Euro im Monat gespart. Hier liegt noch einiges im Argen.