Satzungsänderung beschlossen: Datev für alle

Die Genossenschaft will künftig ein digitales Steuerportal anbieten und damit die Steuerzahler auch direkt erreichen. Für das umstrittene Vorhaben war eine Satzungsänderung nötig.

Datev-Vorstand Robert Mayr
(Foto: Datev)

Eine zentrale Entwicklung im Rahmen der digitalen Transformation ist das Aufkommen disruptiver Geschäftsmodelle, in deren Zuge sich digitale Plattformen und Portale zwischen etablierte Kunden und Lieferanten- und Dienstleisterbeziehungen schieben. Dadurch geht die Pole Position des Dienstleisters beim Kunden verloren. »Damit muss sich auch der steuerberatende Berufstand auseinandersetzen«, meint Lars Meyer-Pries, Mitglied der Geschäftsleitung und Leiter strategische Entwicklung bei Datev. Denn die Steuerberater leben ja hauptsächlich von Buchungen, die zukünftig im Zuge der Digitalisierung vielleicht von einer KI automatisiert durchgeführt werden.

Deshalb möchte Datev selbst eine Plattform bauen und gestalten, die im Sinne der Genossenschaft den Mitgliedern neue Chancen und Zielgruppen erschließt. Der erste Antrag für eine entsprechende Satzungsänderung verfehlte mit rund 74 Prozent um drei Stimmen knapp die nötige Dreiviertelmehrheit. Der zweite Versuch mit einem leicht modifizierten Antrag war jetzt erfolgreich: Eine Vertreterversammlung der Steuerberatergenossenschaft stimmte mit 79,36 Prozent einer Änderung der Satzung zu, die dem Vorstand nun weitreichende Änderungen im Geschäftsbetrieb erlaubt. Die Datev kann sich künftig über ein Steuerbürgerportal im Internet für private Steuerzahler öffnen. In den vergangenen Monaten war um diesen Strategieschwenk eine erbitterte Debatte entbrannt.

Datev-Vorstand Robert Mayr hatte den Genossen für die neuerliche Abstimmung zusätzliche Leitplanken zugesichert, um den Förderauftrag gegenüber den Datev-Mitgliedern stärker zu betonen. Nicht wenige Steuerberater hatten die Angst geäußert, mit der angestrebten Satzungsänderung könne die Datev den Mitgliedern wirtschaftlichen Schaden zufügen.

Auch Mayr erwartet einen grundlegenden Wandel des Berufsstandes, weg vom reinen Steuerdeklarator hin zum Berater der Kundschaft. In diesem Szenario spielt die Öffnung für das breite Publikum eine zentrale Rolle. Privatleute sollen künftig über ein Datev-Portal online ihre Steuererklärung machen können. Dann kann der Dienstleister für Steuerberater, Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwälte eine Lösung für die rund 13 Millionen Privatleute in Deutschland anbieten, die keinen Steuerberater haben. Diese neue Zielgruppe anzusprechen, sei dringend notwendig. Ziel sei es, bei Bedarf die Expertise eines steuerlichen Beraters komfortabel einzubinden, also dem Steuerpflichtigen nicht nur eine einfach handhabbare Lösung an die Hand zu geben, sondern ihn bei der Eingabe komplexerer Sachverhalte aktiv auf bestehende Beratungsmöglichkeiten hinzuweisen. Für die Neukunden soll das Portal als eine Art Partnervermittlung funktionieren. Steuerberater haben die Möglichkeit, sich mit ihren Kanzleiprofilen zum Beispiel nach räumlicher Nähe oder einer Spezialisierung zu positionieren. Der Steuerpflichtige gibt laut Datev ein, was er sucht, und dann wird automatisch ermittelt, mit welchem Steuerberater das am besten zusammenpasst.