Microsoft GitHub: Der neue goldene Käfig

Mit dem Kauf von GitHub verstärkt Microsoft sein Engagement im Open-Source-Bereich. Peter Ganten, Vorsitzender der Open Source Business Alliance und CEO von Univention, warnt davor, die möglichen Folgen für Entwickler und Kunden zu unterschätzen.

Peter Ganten warnt davor, dass die Weiternutzung von GitHub für Entwickler und Nutzer Bequemlichkeit im Tausch gegen tiefe interne Einblicke bedeuten könnte
(Foto: Univention)

Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheint: Der Kauf von LinkedIn und GitHub durch Microsoft ist für die Geschäftswelt mindestens so bedeutsam wie der Kauf von WhatsApp durch Facebook für Privatanwender. Mit der gezielten Zusammenführung von Informationen verschafft sich Microsoft Wettbewerbsvorteile gegenüber Mitbewerbern – und muss Stand heute kaum Reglementierung von Kartell- und Datenschutzbehörden fürchten.

Mit Office 365 und LinkedIn verfügt Microsoft bereits über zwei große Plattformen, mit denen sich dienstliche Aktivitäten von Anwendern gezielt aufzeichnen und auswerten lassen. Mit der Übernahme von GitHub kommen nun Softwareentwickler und -projekte hinzu. Und genau da sehe ich eine große Gefahr: Microsoft weiß durch das Zusammenführen von Informationen aus GitHub, Office 365, LinkedIn und weiteren Angeboten mehr über Mitarbeiter, als das betroffene Unternehmen selbst. Es entsteht eine gewaltige Datenbasis, über die Microsoft eigene Cloud-Angebote vermarkten oder die Informationen an Dritte verkaufen kann – sogar an die Konkurrenz.

Durch den Besitz von GitHub kann Microsoft zudem sehr genau beobachten, welche Softwareprojekte erfolgreich sind, wer sie nutzt und wie sie konkret eingesetzt werden. Dadurch wird das Unternehmen in die Lage versetzt, seine Angebote um stark nachgefragte Funktionen zu ergänzen oder innerhalb kürzester Zeit neue Produkte zu erschaffen. Microsoft kann beispielsweise sehr genau erkennen, wie welche Organisationen eine bestimmte Groupware nutzen und exakt diese Funktionen später als Teil von Office 365 anbieten. Unternehmen und Organisationen wird die Nutzung von Microsoft-Produkten hingegen so bequem gemacht, dass sie sich kaum gegen einen Vendor-Lock-in wehren können.

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