IT- und Prozesskompetenz bei Axians: »Genpool aus beiden Welten ist das beste Setup«

Das ehemalige Systemhaus Fritz&Macziol kennt schwere Krisen infolge einer strauchelnden Konzernmutter Imtech. Der neue Eigner Vinci ist ein anderes Kaliber, dennoch kommt ihre 2017 in Axians IT Solutions umfirmierte Tochter nicht zur Ruhe. CRN hakt beim neuen CEO Jacques Diaz und dem für die Dachgesellschaft Vinci Energies zuständigen Direktor Reinhard Schlemmer nach.

»Das hier ist ein gut organisierter Akt der Aggression«, sagt Jacques Diaz, CEO Axians Germany
(Foto: CRN)

CRN: Herr Diaz, Ihr Wechsel vom Top-Management der Cancom zum CEO der Axians Deutschland hat großen Wirbel verursacht. Ihr Ex-Chef, CEO Klaus Weinmann, hat Spekulationen losgetreten und Sie als »Bauernopfer« ins Spiel gebracht. Ihre Vorgängerin, Diana Coso, wäre als »Mittel zum Zweck für Machtspielchen im Konzern« instrumentalisiert worden. Wie erklären Sie sich diese scharfe, ungewohnt in die Öffentlichkeit hineingetragene Rhetorik?

Jacques Diaz: Ich wollte mich aus Gründen des Stils dazu eigentlich nicht äußern. Doch das hier ist ein gut organisierter Akt der Aggression nicht nur gegen meine Person, sondern auch gegen das Unternehmen, das ich nun leite, und daher so viel: Das sind unschöne Angriffe, die kommen in unserer Branche vor und ich will sie auch gar nicht verurteilen. Ich sage aber auch klar: Jeder soll sich sein eigenes Bild davon machen, wenn jemand solche Angriffe in aller Öffentlichkeit startet und im gleichen Zusammenhang für sich dann auch noch eine Business-Ethik reklamiert. Das ist nicht anständig und hat mich betroffen gemacht. Wir können über alles sprechen, aber bitte in einem professionellen Rahmen.

CRN: Das Ausscheiden vieler Führungskräfte bei Axians ist nach unseren Recherchen keine Spekulation.

Diaz: Das ist richtig.

Reinhard Schlemmer: Wir haben bei der Besetzung von Managementaufgaben Fehler gemacht, auch ich. Die haben wir dann sehr transparent korrigiert.

CRN: Welche?

Schlemmer: Für Vinci Energies ist es sehr wichtig, dass alle Mitarbeiter unsere Firmenphilosophie mittragen. Nur so können wir unser dezentrales Netzwerk am Leben erhalten und damit erfolgreich sein. Wenn man Firmen in eine größere Gruppe integriert, kann man von vorneherein nicht reinschauen, ob sich alle Mitarbeiter in unsere Unternehmenskultur integrieren können. Bei der Übernahme von Fritz&Macziol und der Neuaufstellung unter Axians stellten wir fest, dass durchaus ein Teil der Mannschaft nicht bereit war, sich zu adaptieren und unsere Kultur zu akzeptieren. Deshalb gab es die Entscheidung, dass wir uns vom Management trennen. Das macht man nicht leichtfertig und auf einen Schlag. Man gibt den Leuten immer nochmal eine Chance.

CRN: Die firmenkulturellen Unterschiede zwischen der ehemaligen Fritz&Macziol (FuM), der heutigen Axians, und dem Vinci-Konzern könnten nicht größer sein. Hier hatte der Inhaber Heribert Fritz »sein« Systemhaus in guten wie auch in schwersten Krisenzeiten durchaus sehr dominant geführt. Auf der anderen Seite Vinci: Ein global tätiger französischer Bau- und Betreiber-Konzern mit rund 40 Milliarden Euro Umsatz, mehr als 180.000 Mitarbeitern in vielen Sparten, wie der ITC-Unit. Haben Sie die Integration von FuM unterschätzt?



Schlemmer: Unterschätzt nicht, aber wir wussten, dass die Integration schwierig werden und drei, vielleicht fünf Jahre Zeit brauchen würde. Aber die Mannschaft hat viel Potenzial, so dass uns klar war: aus strategischer Sicht ist FuM der richtige Baustein für uns. Es gab intern viele kontroverse Diskussionen, ob wir uns die Integration zutrauen und antun sollten. Denn es ist ja nicht unsere Philosophie, erst einmal die Manager auszutauschen, wenn wir eine Firma in unserem Netzwerk willkommen heißen. Wir geben erst einmal Vertrauen und Verantwortung, geben jedem Management unserer neuen Business-Unit Zeit, nach unserer Philosophie unternehmerisch im Netzwerk zu handeln. Dafür braucht es Transparenz und keine Blackbox. Wer allerdings nicht nach den Regeln spielt, wird - wie im Fußball - nach gelb und gelbrot des Feldes verwiesen.

CRN: Platzverweise kennen wir vor allem bei US-Konzern, wenn ihre Statthalter nicht so performen, wie sich das die Zentrale vorstellt. Wie tickt der französische Konzern Vinci?

Schlemmer: Wir funktionieren absolut nicht wie ein amerikanischer Konzern, wo viele ihre Wurzeln im Demand and Control haben. Bei Vinci ist die Dezentralität und das Netzwerk wichtig, die Wertschätzung und der Respekt des einzelnen Mitarbeiters. Nicht der Befehl geht vor, sondern die Aufgabe, den Mitarbeiter so zu befähigen, dass er seinen Job gut machen kann. Das ist ein ganz anderes Miteinander als es bei manchem Hersteller üblich ist.

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