Bewegung im Vertrieb der Cloud-ERP-Lösung: Netsuite expandiert in Europa

Im Rahmen einer Expansionsinitiative der Oracle-Tochter betritt der Cloud-ERP-Hersteller Netsuite den Markt in mehreren europäischen Ländern.

Hartmut Hamann, Sales Director bei Netsuite
(Foto: Netsuite)

Die Geschichte von Netsuite begann mit einem Scheitern, berichtet Hartmut Hamann, Sales Director bei Netsuite, im Gespräch mit CRN: Demnach hatte Evan Goldberg ein Startup gegründet, das sich mit einer Idee versucht hat, die in direktem Wettbewerb mit dem Flash Player stand. Der Flash Player hat sich durchgesetzt und er ist mit seinem Unternehmen gescheitert, hat aber in diesem Scheitern festgestellt, dass es wichtig ist, neben einem marktfähigen Produkt auch die Backoffice-Infrastruktur zu haben, um das Geschäft bestreiten und möglichst gut automatisieren zu können. Daraus ist die Geschäftsidee für Netsuite entstanden. »Larry Ellison, der Firmengründer und CTO von Oracle hat Goldberg bereits 1998 gesagt, wenn du jetzt anfängst, ein neues Produkt zu entwickeln, dann entwickle es so, dass es über das Internet bezogen werden kann. Der Begriff Cloud war zu diesem Zeitpunkt noch nicht etabliert. Und sorge dafür, dass dein Produkt international ist und stelle einen Online-Kanal zu den Endkunden deiner Kunden sicher, also eine E-Commerce-Komponente.«

Netsuite habe dann 2001 ein erstes Produkt am Markt gehabt, das sich hauptsächlich mit Buchhaltung beschäftigte und später Stück für Stück erweitert wurde, so Hamann weiter. Es sei für Unternehmen gedacht, die nicht die Produkte aus dem obersten Marktsegment einsetzen wie in Amerika Oracle oder im europäischen Markt SAP, weil sie zu komplex sind und auch zu teuer.

2007 ist Netsuite an die Börse gegangen und wurde 2016 für 9,3 Milliarden Dollar von Oracle akquiriert. »Netsuite ist heute als eigenständige Business Unit in Oracle integriert. Wir können jetzt stärker und schneller expandieren«, erklärt Hamann den Markteintritt auf dem europäischen Festland, etwa in Frankreich, Italien, Spanien, den osteuropäischen und den Benelux-Länder. Einer der entscheidenden Zielmärkte sei Deutschland. »Ich habe die Aufgabe, in Deutschland die entsprechende Organisation aufzubauen. Die Suche nach geeigneten Mitarbeitern gestaltet sich aber schwieriger und langwieriger als gedacht.«

»Netsuite hat drei Arten von Partnern«, erläutert Hamann: »Systemintegratorenr, die gemeinsam mit uns die Projekte beim Kunden realisieren. Die zweite Fraktion sind die Service Provider, also Reseller, die entsprechend ausgebildet eigenständig am Markt agieren. Die dritte Form nennt sich SDN-Partner, Software Development Network Partner. Das sind Partner, die auf der Netsuite-Plattform Suiteapps.com eigenständig funktionale Erweiterungen, Lösungen für lokale Aufgabenstallungen und Micro Verticals bewerkstelligen. Wenn sie den deutschen ERP-Markt hernehmen, da gibt es in Deutschland über 400 Anbieter. Von denen sind 380 ausschließlich in ihrem Micro Vertical aktiv. Die können in ihrer Innovationskraft mit modernen Lösungen nicht mehr mithalten, machen aber für dieses Micro Vertical genau das, was benötigt wird. Wenn man dieses Wissen kombinieren kann, dann wäre das für beide Seiten ein super Mehrwert.« Für alle drei Partnerarten sei Netsuite in Deutschland auf der Suche, um weitere Partner zu gewinnen, so Hamann.

Die deutsche Niederlassung von Netsuite ist aufgrund der zentralen Lage in Frankfurt. Im Moment hat das Unternehmen europäische Rechenzentren in Amsterdam und Dublin. Es gebe aber eine sehr konkrete Planung, das Oracle-Rechenzentrum in Frankfurt ebenfalls für Netsuite zu verwenden. »Inhaltlich und juristisch ist es kein Vorteil, aber psychologisch mit Sicherheit.«