Lisa Herzog im Gespräch: »Es muss eine Priorität menschlicher Belange vor den Belangen der Maschinen geben.«

Die Digitalisierung rüttelt an den Grundfesten menschlicher Arbeit. Diese Transformation bedarf einer politischen Steuerung, erläutert Lisa Herzog, Professorin für Politische Theorie an der TU München.

Ethik in der Robotik

CRN: Wie können wir den Umfang mit Robotern oder Künstlicher Intelligenz erlernen? Welche Regeln werden dafür notwendig sein?

Herzog: Vor allem muss es eine Priorität menschlicher Belange vor den Belangen der Maschinen geben – und zwar nicht nur für diejenigen, die es sich leisten können, sondern für alle! Das heißt zum Beispiel, dass alle Individuen das Recht haben müssen, selbst zu entscheiden, welche Daten sie freigeben und welche nicht. Auch das ist eine Frage der demokratischen Politik.

CRN: Gibt es Grenzen, die wir uns zur Sicherung unseres Mensch-Seins erhalten müssen?

Herzog: Wir müssen uns als Gesellschaft überlegen, welche Formen von Arbeit wir als wichtig und sinnvoll betrachten, etwa im Bereich der Pflege, und wie dort eine sinnvolle Integration von Technik und menschlicher Arbeit aussehen kann. Letztlich geht es um die Gestaltung der sozialen Strukturen, in denen wir frei dazu sind, diejenigen Projekte zu verfolgen, die uns wichtig sind, und die unserem Leben Sinn geben – seien es Beziehungen zu anderen Menschen, religiöse Werte, oder ästhetische Erfahrungen. Derzeit sehen wir eine unheilige Allianz zwischen den neuen Möglichkeiten des Datensammelns, die das Individuum immer genauer kartieren, und einem ausgeprägten Marktdenken, das nur nach der Erfüllung von Präferenzen fragt. Aber Präferenzerfüllung ist nicht gerade die höchste Stufe des Menschseins! Viele unserer wertvollsten Erfahrungen machen wir gerade, wenn wir der Erfüllung kurzfristiger Präferenzen widerstehen und gemeinsam mit anderen auf langfristige Projekte hinarbeiten.