»Modern Slavery Act«: Ausbeutung in der globalen Lieferkette

Kapitalismus, das sind vor allem: Sklaverei, Leibeigenschaft, Zwangsarbeit und Menschenhandel. Das lesen wir nicht nur bei Karl Marx, sondern im britischen »Modern Slavery Act«. Auch deutsche Unternehmen sollen – so die Theorie – gegen Ausbeutung bei ihren Zulieferern einschreiten.

(Foto: Fairphone)

Rund sechs Meilen sind es von Downing Street 10, dem Amtssitz der britischen Premierministerin Theresa May, zum Highgate Cemetery, wo Karl Marx seine letzte Ruhestätte gefunden hat. Ob May das Grab des bekanntesten Exildeutschen in London je besucht hat, wissen wir nicht. Sein Geist jedenfalls lebt bis heute fort und bestätigt seine zum 200. Geburtstag wieder viel diskutierte These: Das Sein bestimmt das Bewusstsein. Ausgerechnet die konservative Politikerin May schien jenes Sein in einer globalisierten Wirtschaft so zu bedrücken, dass sie zumindest gegen die schlimmsten Auswüchse zügelloser Profitgier per Gesetz vorging. May, die damalige Innenministerin, legte 2015 dem Parlament den »Modern Slavery Act« vor.

Im Vorwort stellt sich May gegen Sklaverei, Zwangsarbeit und Menschenhandel. Das auch für deutsche Unternehmen relevante britische Gesetz soll Ausbeutung in der globalisierten Lieferkette verhindern. Es sei ein »Soft Law«, wie Rechtsanwalt Mark Zimmer von Gibson, Dunn & Crutcher es nennt. Also ein zahnloser Tiger? Nicht unbedingt.

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