CRN-Interview mit Dirk Pfefferle, Geschäftsführer der deutschen Citrix Systems GmbH: »Die zweite digitale Welle nicht verschlafen!«

Im Interview erläutert Dirk Pfefferle die Cloud-Strategie des Unternehmens und erklärt, welche Herausforderungen das für die Partner darstellt und wo es bei der Digitalisierung hakt.

Dirk Pfefferle, Geschäftsführer der deutschen Citrix Systems GmbH
(Foto: Andreas Dumont)

CRN: Wie sieht die strategische Ausrichtung von Citrix aus?

Dirk Pfefferle: Wir sehen zunehmendes Interesse von Partnern, sich mit uns zu beschäftigen. Das Hauptthema, das wir jetzt seit eineinhalb Jahren haben, ist unsere Citrix-Cloud-Strategie. Dahinter steckt ein wichtiger Schritt in unserer Geschäftsstrategie, dass wir den großen Bestand an Kunden sukzessive und geordnet in den nächsten Jahren mitnehmen von »Ich hab meine Citrix-Umgebung irgendwo in meinem Einflussbereich« zu »Ich nehme die Installation mit, klinke sie in eine Cloud-Strategie ein und überführe die rechenintensiven Citrix-Workloads in eine Hybrid-Cloud-Umgebung, etwa mit Microsoft Azure. Das ist ein Schritt, wo bei vielen klassischen Partnern deren Geschäftsmodell mit uns auf dem Prüfstand steht, also Lizenzhandel, Implementierungsberatung, Zertifizierung. Wir haben aber einen zunehmenden Satz von Partnern, die mittlerweile andere Geschäftsmodelle haben, die in der Cloud angekommen sind, die ihr Geschäft auf die Cloud abgestimmt haben. Die sagen: Endlich bewegt sich Citrix in die Cloud. Wie haben jetzt Modelle mit Partnern, mit denen wir gemeinsam vertriebliche und beratende Ansätze fahren, um Kunden in die Cloud zu bringen. Im Mittelstand geht nach wie vor die Post ab.

CRN: Was sind die Herausforderungen für die Partner?

Pfefferle: Neue Wege finden, schnell sein, unkonventionelle Wege finden, die Mitarbeiter über Schulungen up to date halten. Wir investieren viel Zeit und Energie, uns im Mittelstand zu artikulieren und haben dort ein wachsendes Geschäft über Cloud-Projekte. Die meisten Unternehmen haben die finanzielle Bandbreite, Dinge zu ändern, es gibt einige Mutige, die es auch tun, die sprechen wir an. Ich bin auf der Suche nach Partner-Perlen für den Change, der gerade passiert. Das löst bei klassischen Partnern Fragezeichen aus.

CRN: Kommt Deutschland in Sachen Cloud voran?

Pfefferle: Ich höre immer häufiger die Meinung: »Jede Cloud-Umgebung ist sicherer als unsere eigene IT.« Da ist etwas aufgebrochen in den letzten Monaten, auch im öffentlichen Bereich. Unsere Desktopvirtualiserungstechnologie hat eine Renaissance erlebt, ein Treiber ist das Thema Sicherheit. Weil Sie heute auf jedem Endgerät Unternehmensdaten und -Anwendungen nutzen können, wollen Sie das Risiko ausschließen, dass die Konstruktionsdaten weg sind, wenn das iPad irgendwo vergessen wird. Datenklau ist immer noch ein Riesen-Thema.

CRN: Wo hakt es?

Pfefferle: Die Themen der Digitalisierung sind teilweise noch nicht gut sortiert, teilweise nicht verstanden, teilweise mit den falschen oder gar keinen Prioritäten versehen. Es läuft, warum etwas ändern. Die Politik sollte parteiübergreifend im Schulterschluss mit der Industrie gebündelt vorgehen, um die Digitalisierungshürde zu nehmen und entsprechende Voraussetzungen zu schaffen. Das Buch der Digitalisierung hat viele Kapitel. Ich investiere viel Zeit mit Partnern, wie wir da besser werden können. Wenn die Digitalisierung im Unternehmen nicht oben angesiedelt ist und die Verantwortung dezentralisiert wird, dann wird nichts dabei herauskommen.

CRN: Wie wirkt sich die Digitalisierung auf die Arbeit aus?

Pfefferle: Der Arbeitsplatz der Gegenwart ist bereits digitalisiert. Das Technik-Thema ist für mich durch. Die Flexibilität bei der Wahl, wo Mitarbeiter arbeiten, ist kein triviales Thema. Es gibt einen gesetzlichen Rahmen, der über das Arbeitsrecht und die Berufsgenossenschaft definiert ist. Ich als Geschäftsführer habe die Verpflichtung, dass ich weiß, wie ein Heimarbeitsplatz aussieht und ob er den Anforderungen genügt. Das ist definitiv kein Platz am Pool im Schwimmbad. Das Thema Remote-Arbeit bedingt gut qualifizierte Führungskräfte. 50 Prozent der Führungskräfte, die ich erlebt habe, sind völlig überfordert. Das fängt bei elementaren Dingen an wie dem Umgang mit agilen modernen Werkzeugen. Das geht weiter mit dem Management der Mitarbeiter, Kommunikation, Menschenführung. Die Technologie ist nicht der Hauptpunkt. Es geht darum, dass man Menschen vernünftig führt, dass man ihnen eine Arbeitsumgebung bietet, wo sie sich entfalten können, wo sie das Gefühl haben, partizipieren zu können, und Sie kommen immer wieder zu dem Thema Führung zurück. Ich sehe in der Diskussion ein Übergewicht an Themen wie Ausbeutung und Risiken, Technologie, die zu Bösem führt, aber untergewichtet sehe ich eine selbstkritische Auseinandersetzung, wie gut die Führungsstrukturen in Unternehmen handwerklich ausgerüstet sind, um mit so einer Kultur umzugehen. Wenn wir den Mindshift nicht hinbekommen von »Schauen, wie jemand versagt« in Richtung »Was können wir tun, um ihn erfolgreich zu machen«, dann werden wir die digitale Welle 2 auch verschlafen.

CRN: Welche Defizite sehen Sie in der Bildungspolitik?

Pfefferle: Eine Schüler heutzutage lernt nichts über Rhetorik, und er lernt nichts zum Thema, wie organisiere ich mich selbst in der Arbeit. Es kommen Menschen aus der Schule, die nicht darauf vorbereitet sind, in verschiedenen Umgebungen eine Persona zu sein, das heißt gesehen werden, sich zu artikulieren, zu interagieren. Die vielzitierten Diskussionen über die Milennials und Digital Natives ermüden mich. Im Unternehmen ist die größte Aufgabe die Kommunikation und die Leute untereinander zu vernetzen. Ein wesentlicher Punkt ist es, mit neuen Technologien von Kollegen zu lernen. Der Mitarbeiter im Home Office in Bielefeld muss mit dem Mitarbeiter im Büro in München reden.

CRN: Ein Hype-Thema sind Kryptowährungen. Haben Sie Bitcoins?

Pfefferle: Ja, aber ich habe kein großes Vermögen investiert. Ich habe Ether gekauft und Bitcoins, und zwar deswegen, weil ich ohne dass ich weiß, wie es funktioniert, nicht darüber reden kann.

Kommentare (1) Alle Kommentare

Antwort von MBabylon , 06:03 Uhr

Ich finde den Satz : "50 Prozent der Führungskräfte, die ich erlebt habe, sind völlig überfordert. Das fängt bei elementaren Dingen an wie dem Umgang mit agilen modernen Werkzeugen. Das geht weiter mit dem Management der Mitarbeiter, Kommunikation, Menschenführung." mehr wie zutreffend. Das ist aus meiner Sicht der größte Showstopper in Unternehmen.