CRN-Interview zur Arbeit der Zukunft: »Die Dreitagewoche ist nicht mehr unvorstellbar«

Ralf Greis, CEO der Compusafe AG, skizziert, welche Auswirkungen die digitale Transformation auf die Arbeitswelt haben wird.

Ralf Greis, CEO der Compusafe AG
(Foto: Compusafe AG)

CRN: Wie wird sich die digitale Transformation auf das Arbeiten auswirken?

Ralf Greis: Zunächst natürlich ganz einfach über die Nutzung unterschiedlicher Technologien, mehr und mehr integriert sich Arbeit online und ist in Prozessen automatisiert. Arbeiten in der digitalen Welt erlaubt es vor allem auch zeitlich und räumlich getrennt von dem eigentlichen Arbeitsplatz zu arbeiten.

Viel gravierender sind aber die Auswirkungen auf die Arbeitswelt an sich. Arbeit und das Arbeitsangebot werden sich nicht synchron zu der Arbeitsnachfrage entwickeln. Arbeit wird sich mehr und mehr fragmentieren und flexibilisieren, es wird kein konstantes Arbeitsangebot mehr geben. Notwendige Ressourcen und Kompetenzen werden in Teilen der Arbeitswelt zunächst längere Zeit nicht mehr in der notwendigen Menge zur Verfügung stehen.

CRN: Können Sie mehrere Szenarien beschreiben?

Greis: Dass Arbeit einem fundamentalen Wandel unterliegen wird, das steht heute außer Frage, wird aber meines Erachtens gerne verdrängt, weil es uns ja gut geht.Wir erleben bereits heute und in Zukunft einen signifikanten Mangel an Fachkräften. Der Blick auf die IT zeigt heute schon über 53.000 unbesetzte Stellen bei einem Wachstum von ca. 5% p.a. Gerade im Bereich IT liegt in Deutschland schon lange ein signifikanter Fachkräftemangel vor: bis zum Jahr 2020 werden allein in Deutschland 1,8 Millionen Arbeitskräfte fehlen, so lautet die Prognose der Studie „Arbeitslandschaft 2040“.

Wir sprechen von einer bedeutenden Zahl von Berufsbildern die durch Digitalisierung, Vernetzung und Automatisierung potenziell verschwinden, ohne mich an der Prognose von Prozentzahlen zu beteiligen. Neben der vielzitierten Oxford Studie gibt es weit mehr und aktuellere Studien, die das real und durchaus besorgniserregend belegen. Die Aussage, dass dadurch eine gleiche Anzahl neuer Jobs entsteht ist genauso sehr hypothetisch und auch etwas verträumt, vor allem wenn man glaubt, dass das zeitgleich geschieht.

Skills und das passende Personal werden im Kontext von Digital Business als größte Herausforderungen festgestellt. Plötzlich steht nicht nur lebenslanges Lernen sondern auch die Förderung von Eliten wieder auf der Agenda. Die Demografie zeigt heute 50% zu wenige Akademiker bis 2030, Arbeitskräfte in Deutschland zwischen 20 und 65 sinken um ca. 12%, die Zahl der Rentner älter 65 steigt jährlich um 30%. Die Bindung von Menschen an Unternehmen nimmt ab. Zurückzuführen ist das sowohl auf den digitalen Wandel, wie ebenfalls auf die Entwicklung unterschiedlicher Lebenswelten, gerade auch im Hinblick auf den Generationen- und Wertewandel. Standen früher Karriere und ein Leben für die Arbeit im Mittelpunkt, so verschiebt sich der Fokus langsam auf andere Schwerpunkte.

Direkte Arbeitsbeziehungen gibt es in Zukunft nur noch teilweise. Der Schwerpunkt verlagert sich hin zu Selbstständigkeit bzw. Unabhängigkeit. Fluide Formen der Kopplung zwischen Unternehmen und Mitarbeitern gewinnen daher an Bedeutung. Multiple Unternehmenszugehörigkeiten und Engagements auf Zeit gehören zunehmend zur Normalität. Spannend wird sein, wie man Arbeit in diesem Kontext organisieren kann, neu organisieren kann. Ein Blick auf die agilen Methoden wie Scrum zeigt die Möglichkeiten indem man nicht mehr Personen einer Arbeit zuordnet sondern Arbeit Personen zuordnet.

Die Nachfrage nach Arbeitskräften aus bestimmten Kompetenzbereichen steht heute einem fragmentierten, unabhängigen und vermutlich auch nicht zwingend ausreichendem Angebot an Arbeitskräften gegenüber. Größte Herausforderung dabei sind ‚unfertige Erzeugnisse’ innerhalb des Angebots: Ausbildungs- und Hochschulabsolventen, Flüchtlinge und Migranten, Ressourcen aus dem näheren Ausland und ausgestellte Mitarbeiter in Umschulungs- und Weiterbildungsprogrammen.

Um qualifiziertes Personal zu finden, kurzfristige Vakanzen zu besetzen oder Fachkräfte mit Nischenkompetenzen einzusetzen, werden daher Agenturen zur Vermittlung und Entwicklung von Human Resources zentral an Bedeutung gewinnen. Das gilt auch für die Qualifizierung und Weiterbildung der Mitarbeiter.

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