CRN-Interview mit Martin Greimel und Alex Mirsky, Geschäftsführer von Greimel Data Center und Mivitec: »Mittelständler wollen mit Mittelständlern zusammenarbeiten«

Im Interview mit Martin Greimel und Alex Mirsky erzählen die Geschäftsführer, wie man als kleines Data Center gegen die Großen bestehen kann.

Martin Greimel (li.) und Alex Mirsky
(Foto: CRN)

CRN: Wie kamen Sie auf die Idee, ein Data Center zu gründen?

Martin Greimel: Entstanden ist das aus dem Greimel Systemhaus heraus. Wir haben mit der Zeit gemerkt, dass es für ein Systemhaus wichtig ist, dass man Rechenzentrumsdienstleistung anbieten kann für mittelständische Unternehmen. Dann hat es sich ergeben, dass wir ein Rechenzentrum übernehmen konnten, das war 2013. Aber die Zeit schreitet voran, und wir haben an unseren Kundenanforderungen gemerkt, dass wir mit einem einzigen Standort viele Bedürfnisse nicht bedienen können – zum Beispiel Geo-Redundanz, die Daten über mehrere Rechenzentren spiegeln und damit Ausfälle vermeiden.

CRN: So kam es zu der Übernahme durch Mivitec?

Greimel: Es ist auch so, dass viele Themen auf uns zugekommen sind, was Zertifizierung betrifft oder die Datenschutzgrundverordnung. Da tut man sich als Rechenzentrumsspezialist leichter als ein Systemhaus mit angebundenem Rechenzentrum. Es war eine glückliche Fügung, dass wir zusammengekommen sind mit Mivitec, die sehr erfahren sind im Rechenzentrumsbetrieb und bereits vier Rechenzentren in München betreiben. Es passt auch vom Kundenportfolio gut zusammen und ergänzt sich. Wir sind als Greimel Data Center Microsoft-lastig, bei Mivitec ist tiefes Netzwerk-Know-how vorhanden.

Alex Mirsky: Nach dieser Akquisition haben wir jetzt fünf Standorte. Wir müssen uns auf dem Markt behaupten gegen die Großen wie Google und Microsoft. Das geht durch Qualität, das geht durch die auf die Kunden zugeschnittenen Services und – das ist der wichtigste Punkt – das geht durch die lokale Nähe und die gleiche Größenordnung. Es ist wichtig für einen Mittelständler, mit einem Mittelständler zusammenzuarbeiten. Da ist man nicht nur eine Nummer irgendwo, sondern man kann sich an einem Tisch zusammensetzen mit Technikern und vor Ort Audits durchführen. Und wir arbeiten rund um die Uhr, 24/7.

CRN: Ist eine gewisse Heimatverbundenheit ein Argument?

Mirsky: Für die Kunden ist es wichtig, dass die Daten in Deutschland sind und für viele auch, dass sie in München sind – etwa wenn es um Zertifizierungen geht oder wenn es darum geht, größere Datenmengen zu übertragen. Zu uns kommen manchmal auch Kunden mit einer USB-Festplatte.

Greimel: Es gibt auch Kunden, die wollen einmal im Jahr einen Datenabzug haben, da geht der Weg rückwärts. Dann ist es gut, wenn man das in München machen kann und nicht nach Irland fahren muss.

Mirsky: Ein weiteres Argument: Die Cloud Dienste der Großen setzen oft bestimmte Standards. Es gibt Office von Microsoft, es gibt Office von Google und das Unternehmen muss sich an das Produkt anpassen. Wir gehen den umgekehrten Weg, wir wollen das Produkt im Rechenzentrum an die Kundenbedürfnisse anpassen.

CRN: Welche Schwierigkeiten treten beim Wandel zum Managed Service Provider auf?

Greimel: Es gibt Schwierigkeiten, wenn die Leitungsverbindungen nicht vorhanden sind. Aber da verspricht uns ja die Politik, dass es besser wird. Wenn die Bandbreiten steigen, tun wir uns leichter, Services zu platzieren.

Mirsky: Ein Problem in Deutschland ist, wie die Dinge angegangen und realisiert werden. In Deutschland braucht man um ein Kabel zu verlegen eine Baugenehmigung. Wir hatten in einem Kundenprojekt einen Glasfaseranbieter beauftragt, einen Kunden anzubinden. Am Schluss hat die Firma zwei Meter zu wenig gegraben. Es musste ein neuer Bauantrag gestellt werden. Anderswo wird einfach ein Glasfaserkabel auf Holzmasten verlegt.

CRN: Was ist eine sinnvolle Mindestgröße für MSPs?

Mirsky: Die Frage ist, auf was man sich spezialisiert und mit welchem Anspruch. Wenn man nur eine bestimmte Technologie anbietet als MSP und alle Leistungen fremd einkauft und dem Kunden nur Betrieb von 9 bis 17 Uhr anbietet, dann geht es vielleicht auch mit zwei Mann. Aber das ist nicht das, was die Kunden wollen. Ein MSP muss sich fragen, wie tief er den Service selbst erbringen will und wie automatisiert es das machen kann.

CRN: Was ist denn der »Digitalbonus Bayern«?

Greimel: Das hat die Wirtschaftsministerin Ilse Aigner ins Leben gerufen. Mittelständische Unternehmen bekommen wenn sie in IT investieren einen Zuschuss von 50 Prozent. Das gilt für Investitionen bis 20.000 Euro in Infrastruktur und Sicherheit. Viele sagen: Wenn ich das gefördert bekomme, dann pack ich das auch an.

CRN: Welche Auswirkungen von Meltdown und Spectre spüren Sie?

Mirsky: Wir haben in großem Stil Kundenanfragen, weil die auditiert werden oder sich Sorgen machen. Was gepatcht werden kann, haben wir gepatcht. Aber manche Patches haben Nebenwirkungen wie Leistungseinbußen. Das ist ein großes Thema für Cloud-Service-Anbieter, die bestimmte Leistungen zugesichert haben und plötzlich 30 Prozent mehr Ressourcen brauchen. Oder der umgekehrte Weg, wenn man dem Kunden nur virtuelle CPUs und Arbeitsspeicher anbietet, dann hat der Kunde das Problem, dass er weniger Leistung hat.

CRN: Sind alle Mittelständler bereit für die DSGVO?

Greimel: Das ist ein Riesenwirbel. Wir merken, dass da ein großer Druck drin ist und es ist schwer vorstellbar, dass alle das schaffen bis zum 25. Mai.

Mirsky: Die Verträge müssen umgeschrieben werden, das erfordert auch eine Zuarbeit der Kunden. Der Kunde muss zudem bestimmen, welche Daten verarbeitet werden. Die entsprechenden Mitarbeiter bei uns sind gut ausgelastet.

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