Systemhaus zieht positive Jahresbilanz: Jahr 1 nach der Bechtle-Bibel

Cloud-Trends verschlafen, behauptet der Wettbewerb. Bechtle hält - nicht nur mit beindruckenden Zahlen - dagegen. Die Schwaben haben gleich mehrere Meilensteine gesetzt und sogar eine heilige Kuh dem Zwang zur Digitalisierung geopfert.

Bechtle CEO Thomas Olemotz: »Unser Auftragseingang deutet darauf hin, dass 2018 ein gutes Jahr für den B2B-Markt werden wird«
(Foto: CRN)

Fallen die Osterfeiertage komplett in den März? Die Antwort musste ein Bechtle-Vorstand auf früheren Bilanzpressekonferenzen immer parat haben, denn regelmäßig wurden die sehr umsatzschwankenden Quartale mit solchen kalendarischen oder auch saisonalen Effekten wie dem traditionell starken Jahresendgeschäft begründet. Am Freitag vergangener Woche war bei der Vorlage der Geschäftszahlen 2017 von Bechtle dieses Mal vieles anderes.

Erstens: Bechtles Erlöse haben 2017 gegenüber dem Vorjahr über alle Quartale hinweg zweistellig zugelegt. Ausgerechnet das dritte Quartal hat mit einem Plus von fast 20 Prozent das traditionell am stärksten wachsende Schlussquartal abgelöst. Die hervorragende Konjunktur in Deutschland und positive Geschäftsaussichten gewerblicher Kunden sorgen mittlerweile das ganze Jahr über die Investitionslaune in IT-Infrastruktur.

Zweitens: Eine weitgehend lautlose Kulturrevolution hat am Bechtle-Platz 1 in Neckarsulm stattgefunden. Es war, wenn man so will, das Jahr 1 ohne die berühmte Bechtle-Bibel. Erstmals wagte man sich nämlich in ein Geschäftsjahr ohne diesen mehrere Hundert Seiten starken Print-Produktkatalog. Er wurde nach langen Überlegungen dann doch eingestellt. Es wäre indes nicht Bechtle, hätten es die Schwaben nicht verstanden, die Anzeigengelder der Industrie in andere hauseigene Marketingkanäle zu lenken – vor allem in digitale Formate und themenbezogene Sonderpublikationen. Bechtles Erfolge ruhen nicht nur auf den beiden Säulen Systemhausgeschäft und europaweite E-Commerce-Portale. Bechtle ist, ähnlich wie Distributoren, auch der verlängerte Marketingdienstleister seiner vielen Herstellerpartner.

Bechtle-Chef Thomas Olemotz steht vor dem Rollup, auf dem die alles entscheidende Frage steht: »Wie vernetzte ich mich mit der Zukunft?« Das Fragezeichen ist nicht für den CEO gemacht, denn der kennt nach mittlerweile elf Jahren Vorstandstätigkeit den Bechtle-Weg sehr genau und zählt weitere Meilensteine auf. »Wir haben zwei magische Schwellen geknackt. Erstmals haben wir im Ausland einen Umsatz von mehr als eine Milliarde Euro erzielt, und erstmals haben wir eine Milliarde Euro mit Kunden der Öffentlichen Hand umgesetzt«. Bestandkunden wie die Bundeswehr und Dataport haben ihre Rahmenverträge mit Bechtle erneuert, neue Kunden wie die Nato und ein fast 250-Millionen Euro großer Auftrag für die kommen 4 Jahre vom niederländische Innenministerium sind neu hinzugekommen.

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