CRN-Interview zu gebrauchter Software: »Der Prüfprozess ist aus unserer Sicht relativ einfach«

Immer wieder tappen Unternehmen beim Einkauf gebrauchter Software in die Falle. Dabei wäre die Überprüfung der Rechtssicherheit von Lizenzen nach Ansicht der U-S-C-Geschäftsführer Peter Reiner und Walter Lang eigentlich ganz einfach.

Problemfall Audit

CRN: Fast jeder Händler behauptet, bisher hätte noch keiner seiner Kunden Probleme oder rechtliche Auseinandersetzungen bei einem Audit gehabt. Können Sie dies aus der SAM-Praxis bestätigen?
Lang: Der Händler würde ja erst dann Probleme bekommen, wenn Microsoft einen Kunden wegen illegaler Software-Nutzung verklagt und den Prozess gewinnt. Aber: Der Kunde lässt es ja nicht zum Prozess kommen. Da beißt er lieber in den sauren Apfel und kauft die Lizenzen noch einmal nach. Und gegen den Händler unternimmt er dann nichts mehr, zum einen weil er schon genug Ärger hatte, zum anderen weil er nicht marktschreierisch als »dummer und leichtsinniger« Einkäufer dastehen will.

CRN: Wie garantieren Sie selbst ihren Kunden die Rechtssicherheit im Falle von Audits?
Lang: Wir prüfen jede gebrauchte Lizenz nach den Kriterien, die nach Microsoft Vorgaben und EuGH Vorgaben erfüllt sein müssen. Somit erhält von uns jede erfolgreich geprüfte Lizenz unser Prüfsiegel und ist damit absolut Audit sicher. Es wurde von Microsoft noch keine einzige Lizenz von uns abgelehnt. Das können wir uns als zertifizierter SAM Berater auch gar nicht erlauben. Vielen Händlern fehlt dazu aber das notwendige Lizenz-Knowhow.

CRN: Immer wieder gibt es auch Diskussionen um die Rechtmäßigkeit des Weiterverkaufs von Education- und kirchlichen Lizenzen und ihren anschließenden Einsatz in Unternehmen. Wie bewerten die Hersteller diese Lizenzen Ihrer Erfahrung nach in Audits?
Reiner: Fast alle Kunde bestätigen uns im Audit, dass sie die Lizenzen nicht gekauft hätten, wenn sie gewusst hätte, dass es sich um solche Lizenzen handelt. Das wissen diese Händler auch. Deshalb werden solche Lizenzen eben ohne Lizenznummer /Erstbesitzer-Nennung / Vernichtungserklärung angeboten. Und im Audit ist dann nicht das Thema »Education Lizenz« das Hauptproblem, sondern die fehlenden Nachweise.

CRN: Wie lassen sich aus Ihrer Sicht künftig Fälle vermeiden, in denen nicht-europäische Lizenzen in den Handel gelangen oder Volumenlizenzen mehrfach weiterverkauft werden? Wäre hier nicht eine größere Kooperationsbereitschaft der Hersteller, z.B. über offizielle Eintragungen von Weiterverkäufen in entsprechende Register, wünschenswert – auch in deren eigenem Sinne?
Reiner: Dazu haben wir Microsoft schon vor Jahren Vorschläge gemacht, die unberücksichtigt blieben. Da befürchte ich, dass Microsoft durch Office365 den Handel von gebrauchter Software in fünf Jahren für erledigt betrachtet. Aber eine unterzeichnete Vernichtungserklärung vom europäischen Erstbesitzer ist schon die halbe Miete.