Reiner Louis, Computacenter, im CRN-Interview: »Ganz verrückte Dinge machen wir nicht«

In zehn Jahren hat der Chef von Computacenter Deutschland Höhen und Tiefen im Systemhausmarkt erlebt. An der wichtigsten Mission arbeitet Reiner Louis nun mit Hochdruck.

»Null Ambitionen! Wir sind doch in einem Umbruch«

»Ich bin ein Fan von Europa und fasziniert davon, noch viele weitere Städte auf diesem Kontinent zu entdecken«

Die stetige Professionalisierung spiegelt sich in der Zufriedenheit der Kunden, die ihre Verträge verlängern. »Die sehr gute Renewal-Rate tut uns gut«, sagt Louis, und das nicht nur in ökonomischer Hinsicht. Sie ist auch eine wichtige Voraussetzung für den »Kraftakt«, der dem Manager in den kommenden Jahren bevorsteht: Nämlich viele Talente und hoch qualifizierte Spezialisten für Computacenter zu gewinnen. Noch gibt es viele CEOs, die diese Aufgabe nicht auf ihrer Prioritätenliste gesetzt haben. Bei Reiner Louis steht sie zu Recht ganz weit oben. Denn der Kampf um die besten der raren Köpfe spitzt sich mit zunehmender Digitalisierung zu und erweist sich für die boomende ITK-Branche seit einigen Jahren als Wachstumsbremse.

»Unser Aufwand im Recruiting, gerade für die Zielgruppe der Young Professionals, ist enorm«, sagt Louis. Er lohnt sich aber offensichtlich. Über 10.000 Bewerbungen erhält Computacenter jährlich. Im Nachfragemarkt der IT-Spezialisten konkurrieren IT-Unternehmen längst mit ihren auf Digitalisierungskurs setzenden Kunden. Sich attraktiv zu positionieren und einiges zu bieten, mag für erfahrende »High-Skills« noch mehr eine Frage des Geldes sein als für die Generation der Millennials. Louis bleibt da auf dem Kurs, den schon sein Vorgänger, der heutige Deutschland-Chef von Cisco Oliver Tuszik, ausgegeben hatte. »Ganz verrückte Dinge machen wir nicht, um Mitarbeiter um jeden Preis zu halten«, so der Computacenter-Chef. »Da muss man eben den einen oder anderen auch mal ziehen lassen.«

Dem entgehen dann möglicherweise spannende Themen in großen Projekten mit bekannten Unternehmen, beispielsweise im Aufbau von innovativen Netzwerken mit Cisco – einer der Hersteller von Computacenter, mit dem der Systemhausriese am stärksten gewachsen ist, wie Louis sichtlich zufrieden anmerkt. Vielleicht ist das ein Grund, warum die Fluktuation von Mitarbeitern mit High-Skills in seinem Unternehmen bei fünfeinhalb Prozent liegt, »was gut ist«, sagt Louis.

Kommenden Sommer kann der 57-jährige Manager dann auf seine persönliche Bilanz blicken und könnte sich womöglich fragen, ob er zehn Jahren nach seiner Rückkehr 2008 zu Computacenter und einem sehr erfolgreichen 2017 noch einmal eine neue Herausforderung anpacken soll? Einem der bestens vernetzten Manager im ITK-Channel, der Tiefen und Höhen in einer der dynamischsten Branchen erlebt hat, stehen viele Türen offen – zumal Louis »komplett neue Freiheitsgrade« zurückgewonnen hat, seit die Kinder aus dem Haus sind. Nein, daran denke er keinesfalls. »Null Ambitionen! Wir sind doch in einem Umbruch und mein großes Ziel ist es, in den kommenden fünf Jahren die Stärken von Computacenter darauf zu bündeln, weitere junge Talente zu finden.«

Nach dieser Aufgabe der so wichtigen Zukunftssicherung für seinen Arbeitgeber kann für Reiner Louis dann eine andere, nicht minder spannende Reise beginnen. »Ich bin ein Fan von Europa und fasziniert davon, noch viele weitere Städte auf diesem Kontinent zu entdecken«.

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