Corel mit Multi-Channel-Strategie: »Ich will Kunden nicht zwingen, Software zu mieten«

Für Corel bleibt der indirekte Vertrieb ein wichtiges Standbein – einen Zwang zu Abo-Modellen lehnt der Softwarehersteller nach wie vor ab.

Rainer Artelt, Sales Director EMEA bei Corel
(Foto: Corel)

Der kanadische Softwarehersteller Corel ist vor allem für sein Zeichenprogramm für Vektorgrafik Corel Draw und die Bildbearbeitung Paint Shop Pro bekannt, vertreibt aber auch etwa den Textverarbeitungsklassiker Word Perfect, den Komprimierer Winzip und die Videobearbeitung Video Studio. Anders als etwa der Konkurrent Adobe lehnt Corel Zwangsabos weiterhin ab und bietet seine Software auch im klassischen Lizenzmodell und als Software-Boxen an. Im Interview mit CRN betont Rainer Artelt, Sales Director EMEA bei Corel, dass man auch weiterhin stark auf den Channel setzte.

»Corel setzt nach wie vor auf eine Multi-Channel-Strategie. Generell konzentrieren wir uns stärker als zuvor auf B2B, ohne B2C zu vernachlässigen«, führt Artelt aus. Der Vertrieb über die Distribution und das breites Partnernetzwerk nehme dabei eine entscheidende Rolle ein. »Wir unterstützen unsere Partner nicht mit einem One-size-fits-all-Ansatz. Unser örtliches Vertriebsteam erarbeitet mit unseren Partnern vielmehr maßgeschneiderte Konzepte. Diese reichen von einem eigenen Partner-Portal über Marketing- und Sales-Unterstützungsmaßnahmen bis zu gemeinsamen Veranstaltungen etwa auf Messen.«

»Corel ist auf allen Channel-Ebenen vertreten, vom Corporate Reseller und SMB-Fachhändler bis zu Retail und Etail im Consumer-Segment«, so Artelt weiter. Das Unternehmen habe ein umfangreiches Portfolio an Desktop-Softwarelösungen für professionelles Grafikdesign, Bildbearbeitung, Videoschnitt sowie Komprimierungs- und Dateiverwaltungslösungen und eine Vielzahl an Bezugsmöglichkeiten. Der Anteil an Abos steige zwar, jedoch sei die Anzahl der Zwangs-Abo-Gegner insbesondere in Deutschland nach wie vor groß.

Eines habe seit nun mehr als 30 Jahren bei Corel jedoch Bestand: die enge und langfristig angelegte Zusammenarbeit mit Vertriebspartnern – und das solle auch so bleiben. »Künftig wird Corel seine Partner noch stärker als zuvor unterstützen und gemeinsame Erfolge noch besser honorieren.« Mit Erscheinen der neuen WinZip-Generation hat Corel die Zusammenarbeit mit Ingram Micro weiter ausgebaut. Ingram Micro ist seit Ende vergangenen Jahres neuer Generaldistributor der Winzip-Produktlinie im deutschsprachigen Raum. Mit Winzip 22 Enterprise hätten IT-Admins die Möglichkeit, in Backups persönliche Daten nach bestimmten Kriterien auszuschließen. Genau das sei ja eine klare Anforderung der Datenschutz-Grundverordnung. Corel pflegt darüber hinaus mit nahezu allen anderen namhaften Distributoren langjährige Beziehungen. »Sowohl im Consumer-Bereich als auch bei Firmenkunden erzielen wir einen großen und für Corel wichtigen Teil unserer Verkäufe indirekt über Partner«, ergänzt Artelt. Auch wirtschaftlich steht Corel offenbar gut da. Als Unternehmen im Privatbesitz veröffentliche man keine Zahlen. »Nur so viel darf ich verraten: Corel ist sehr profitabel, investiert große Summen in die Weiterentwicklung der Produkte und wird, insbesondere im Firmenkundenbereich, weiter expandieren. Für Reseller könnte die Zeit, um gemeinsam mit Corel zu wachsen, daher kaum besser sein«, so der Manager.

»Die Jahre 2016 und 2017 waren für Corel Meilensteine auf dem Weg zum Anbieter von kreativen und produktiven Lösungen für Geschäftskunden: von KMUs bis hin zu multinationalen Unternehmen. Corel hat sich intern neu ausgerichtet und das Firmenkundengeschäft durch Zukäufe wie etwa der MindManager-Produktlinie gestärkt. Gerade im Firmenumfeld sehen wir weiterhin sehr gute Geschäftsmodelle für Partner, da in diesem Bereich sachkundige Beratung entscheidend ist«, schließt Artelt.