CRN-Kopfnuss: PR-Debakel mit der »Depp-App«

Eine interne DHL-App sorgt für Ärger: Steht »DEPP« wirklich für »DHL Extended Parcel Planning« oder geht es nur darum, den nächsten Depp zum Abladen von Paketen zu finden?

(Foto: Bumann - Fotolia)

Für einigen Wirbel sorgte DHL dieser Tage, als herauskam, dass der Logistikkonzern vor einigen Monaten eine App hatte entwickeln lassen, über die sich Zusteller untereinander austauschen können. Zum Beispiel darüber, wo sich der Verkehr staut oder in welchen Haushalten regelmäßig jemand anzutreffen ist, dem man Pakete aushändigen kann. Schon der Name der App war äußerst ungünstig gewählt, auch wenn DHL nicht müde wurde zu beteuern, »DEPP« sei lediglich als Akronym für »DHL Extended Parcel Planning« gewählt worden. In der Praxis, das zeigte sich schnell, ging es vor allem darum, mit der App den nächsten Depp zu finden, der sich Pakete für die gesamte Nachbarschaft aufschwatzen lässt. Davon zeugen zahlreiche Nachrichten von Zustellern, die nur deshalb in die Öffentlichkeit gelangten, weil ein Praktikant aus der Entwicklungsabteilung eine neue »DEPP«-Version in den Stores von Apple und Google eingereicht hatte.

Ein Fahrer, der sich »DontBreakForKids« nennt, schreibt in der App beispielsweise: »In der Rosenstraße 17 unten rechts bei Brinkmann ist eigentlich immer jemand da. Ich hab erst gestern wieder einen Sack mit 50 Kilo Blumenerde dort abgeladen, weil ich den Mist nicht die Treppe hochschleppen wollte. Hab gar nicht erst beim Empfänger geklingelt.« Sein Kollege »Radwegparker63« antwortet und setzt sogar noch einen oben drauf: »Nimm einen Eingang rechts davon. Bei der alten Frau im Erdgeschoss ist zwischen 10 und 11 Uhr immer der Pflegedienst da – dort kann man alles abstellen, aber später nichts abholen, weil die Dame extrem schwerhörig ist und nicht mitbekommt, wenn jemand klingelt. Als ich das letzte Mal dort war, stapelten sich die Pakete im Flur. Haha!«

Vor allem der abfällige Umgang mit hilfsbereiten Menschen (»Nicht bei 3b klingeln! Fetter Typ mit schlecht sitzendem Toupet und nur halb geschlossenem Bademantel!«) erzürnt nun die Massen. Die Idee hinter der App sei schon gut gewesen, heißt es intern bei DHL, sei aber von den Fahrern – die wohlgemerkt keine DHL-Mitarbeiter, sondern externe Dienstleister seien – missbraucht worden. Offenbar denkt man nun darüber nach, das Kräftegleichgewicht wieder herzustellen, indem man den Empfängern eine App anbietet, in der diese sich über Zusteller austauschen können. Geplanter Name: »Carefully Reviewing All Postman«, kurz: »CRAP«.