30.000 fragwürdige Office-Lizenzen im Handel: Eine Frage der Transparenz

Im Herbst sind rund 30.000 gebrauchte Microsoft-Office-Lizenzen im deutschen Gebrauchtsoftwaremarkt aufgetaucht, deren Rechtmäßigkeit laut Experten zumindest zweifelhaft ist. Für manche Händler ist dies offenbar dennoch kein Hindernis, sie an ihre Kunden weiterzugeben.

Tückische Offenlegung

Die U-S-C-Geschäftsführer und SAM-Experte Peter Reiner plädiert für eine vollständige Offenlegung der Rechtekette

Doch selbst im Falle einer Offenlegung ist unter Umständen noch immer Vorsicht geboten: denn selbst manche Händler, die Transparenz geloben, speisen ihre Kunden hier teilweise mit zweitklassigen Lösungen ab. »Viele Händler geben dem Kunden lediglich eine „Bestätigung“, dass so eine Zusage vom Kunden vorliege oder unterschreiben diese Vernichtungserklärung selbst im „Auftrag des Verkäufers“. Der Käufer hat dann lediglich eine „unterzeichnete Behauptung“ des Händlers, keine direkt vom Erstbesitzer unterzeichnete Vernichtungserklärung«, mahnt etwa Peter Reiner, Geschäftsführer von U-S-C.

Unabhängig davon, ob Händler die Rechtekette herausrücken wollen oder gar müssten, bleibt es freilich den Käufern unbenommen, ob sie sich auf solche Lösungen verlassen wollen, oder sich einen Händler zu suchen, der ihm die entsprechenden Informationen mitgibt oder zumindest offenlegt. Alleine schon eine ausführliche Vernichtungs- beziehungsweise Löschungserklärung vom Erstbesitzer inklusive der Vertragsnummer und –Daten bietet hier meist alle wichtigen Informationen auf einen Blick. Zudem dient sie gleichzeitig als rechtliche Absicherung in Form einer eidesstattlichen Versicherung. Damit lassen sich eventuelle Nachfragen ganz einfach direkt beim Hersteller und ursprünglichen Besitzer klären.

»Sollte der Verkäufer zu der Mitteilung dieser Informationen nicht willens oder in der Lage sein, muss der Kunde entscheiden, ob er das Risiko eingehen will, Geld zu bezahlen und am Ende doch keine valide Lizenz zu erhalten«, empfiehlt dementsprechend auch Microsoft-Manager Mickeleit. Im Zweifelsfall hilft auch der Produkt-Identifikationsdienst (PID) von Microsoft bei der Überprüfung von Lizenzen weiter.

Kommentare (1) Alle Kommentare

Antwort von Michael Hagl , 17:35 Uhr

Microsoft hat ja selbst offensichtlich kein Interesse daran, diesen Gebrauchtsoftwaremarkt zu regeln. In Ebay finden sich jede Menge Angebote für Office 2016 Professional Plus ab 5,29€. Warum geht Microsoft gegen diese Angebote nicht vor? Und dann lassen sich solche Office-Pakete sogar aktivieren. Eigentlich hat ein Käufer eines solchen Pakets ja keine Möglichkeit, die Rechtmäßigkeit einer solchen Office-Version zu prüfen. Noch dazu, wenn es aktivierbar ist. Wo soll man bei dieser Fülle an günstigen Office-Angeboten die Preisgrenze ziehen, wo Legalität beginnt? Es wäre für Microsoft wirklich einfach, das bei der Aktivierung zu regeln. Aber Microsoft will halt nur neue Lizenzen verkaufen.