Systemhausgruppe aus Borken: Netgo dreht am großen Rad

Kein Startup mehr, aber die Dynamik von Gründern haben sich Benedikt Kisner und Patrick Kruse auch elf Jahre nach dem Start der Netgo-Unternehmensgruppe bewahrt. Sie denken ihr Systemhaus im größeren Maßstab.

Spatenstich erfolgt: 2019 soll das neue Netgo-Firmengebäude mit 5.000 Quadratmetern fertig sein

Es gibt nicht gerade viele IT-Unternehmer, die ihr Systemhaus »groß« denken. 20, vielleicht noch 30 Mitarbeiter, aber keinesfalls mehr, sagen sich viele Systemhaus-Chefs, die das Risiko scheuen, über die Grenzen ihrer Region hinaus zu expandieren. Benedikt Kisner und Patrick Kruse gehören nicht dazu. Mit zwei Mitarbeitern gründeten sie 2007 im Dorf Raesfeld ihr Systemhaus Netgo, zehn Jahre später haben sie mit 13 Standorten und mehreren Gesellschaften längst das südwestliche Münsterland hinter sich gelassen, sind in ganz NRW, in Hannover, im hessischen Linden und sogar im Ausland - in den Niederlanden - präsent. Auch bundesweit kann die Netgo agieren, wenn man das Netzwerk des Systemhausverbunds Kiwiko, dem diese Unternehmensgruppe angehört, nicht nur gedanklich mitzählt, sondern die kooperierten Systemhäuser in größere Projektgeschäfte einbindet. Über 45 Millionen Euro Erlöse meldet die Netgo-Gruppe und schloss das 10-Jährige Firmenjubiläum mit einem Rekordjahr ab - plus 58 Prozent Wachstum zu Vorjahr.

Auch Systemhäuser sind Kunden
Allein mit der seit Jahren hervorragenden Branchenkonjunktur ist diese »außergewöhnliche Unternehmensentwicklung«, wie sie Kistner bezeichnet, nicht zu erklären. Die beiden Manager setzten und setzen weiter auf Zukäufe und Neugründungen. Bereits 2016 erwarb Netgo das im hessischen Linden seit 30 Jahren tätige Systemhaus Computech. Ein neuer Standort Gütersloh schloss die Lücke in Ostwestfalen. Im Mai ging die Netgo Smartwork als Spezialist für Collaboration- und Cloud-Tools an den Start. Bereits im ersten Jahr konnten die 14 Mitarbeiter »große Erfolge« vorweisen, lobt Kistner. Im Oktober dann wagte sich Netgo auf ein Feld vor, das »vor ein paar Jahren noch nach Science-Fiktion klang«, sagt Patrick Kruse.

Die Business-Unit Netgo Innovations mit den Fokusthemen Virtual- und Augmented Reality, Datenanalyse und Internet of Things nahm ihre Arbeit auf. »Wir wollen Kunden auf ihrem Weg in die digitale Transformation unterstützen«, erläutert der 42. jährige Kruse. Der Rechenzentrumsbetrieb einschließlich der Cloud-Services vom Hauptsitz Borken und dem zweiten Standort Bocholt liegt bei der Tochter Data Westfalia.

Wenn Kruse von »Kunden« spricht, meint er übrigens nicht nur Anwenderunternehmen, sondern auch andere Systemhäuser, die Netgo beim Presales und der Projektplanung von Server-, Storage-, Netzwerk-, UC- oder Security-Umgebungen unterstützt. Die neue Kooperation Kiwiko (siehe Interview) kam wie gerufen für die entsprechende Netgo-Unit Reseller-Solutions.

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