»gelaufen.zentrum.eisen«:: (Un-)praktische Dreiwortadressen

Mit einer neuen Idee will Mercedes die Navigation erheblich vereinfachen. In der Praxis klingt die neue Wegsuche allerdings wie von einem anderen Stern.

Wohin führt die Navigation per Dreiwort-Adressen
(Foto: djama - Fotolia)

Aufgepasst, Ihr Japaner, Franzosen und allen voran Amerikaner. Deutschland ist wieder wer, oder wird bald wieder wer sein. Zumindest im Automobilbereich! Das Dieselgate ist verwunden und per Prämie zum Marshallplan für neue Modelle umfunktioniert worden. Zudem können die von VW, BMW und Co durch in Deutschland abgeschmetterte Schadensersatzforderungen eingesparten Milliarden frisch investiert werden. Deutschlands Autos der Zukunft sollen smart sein, vielleicht nicht sauber und ehrlich, aber smart. Wo wir gerade bei Smart sind: Mercedes geht hier mit gutem Beispiel voran und hat sich am Londoner Startup »What3words« beteiligt. Dessen Ziel: das Navigieren neu zu erfinden. Denn — sind wir mal ehrlich — Straßenname, Hausnummer und Ort sind schon ganz schön kompliziert und schwer zu merken. Die Engländer haben deshalb die Welt in 57 Billionen Quadrate à drei mal drei Meter eingeteilt und jedem Viereck eine Dreiwortadresse verpasst. Um jedes Quadrat einwandfrei zu bestimmen, muss man sich nur 25.000 Wörter merken.

Die vom Startup definierten Kombinationen sind dann selbst für die Kopfnuss äußerst abstrus. Die CRN residiert laut What3Words beispielsweise im Quadrat »gelaufen.zentrum.eisen«, Ingram Micro ist im Bereich »jederzeit.heutigem.neutrale« zu finden und für die CEBIT existiert die Kombination »gesamter.vertrag.sonnenuhr«. Vielleicht sollten Nutzer vielmehr selbst Wortfolgen für ihre Ziele festlegen, das wäre sicherlich eingängiger. Statt die Adresse der biestigen Schwiegermutter auswendig zu lernen, reicht in Zukunft nur noch, dem Auto die Destination mit den Worten »Höhle.alter.Drache« mitzuteilen.

Service-Mitarbeiter hiesiger Systemhäuser könnten den Weg zum Kunden deutlich einprägsamer gestalten. »hat.Internet.gelöscht« führt zur Praxis mit VPN-Problemen oder »Kaffee.im.Rack« zur Kanzlei, die auf eine neue Serverinfrastruktur wartet. Auch IT-Journalisten könnten ihre Redaktionstermine nach diesem neuen revolutionären System benennen: »ist.jetzt.Lösungsanbieter«, »strukturiert.wieder.um«, »nennt.Partnerstufen.anders« und »nach.China.verkauft« sind leicht zu merken und vor allem spaßiger als schnöde Firmen-
adressen.