Endgültiges Aus für LiMux: München kehrt für 90 Millionen Euro in die Windows-Welt zurück

In den nächsten sechs Jahren soll die Münchner IT für 90 Millionen neu organisiert werden. Mehr als die Hälfte davon entfällt auf den »einheitlichen IT-Arbeitsplatz«, auf dem Windows 10 laufen wird.

Nach dem Verwaltungs- und Personalausschluss hat gestern auch der Münchner Stadtrat für die umstrittene Beschlussvorlage gestimmt, welche das Ende des 2003 mit dem Support-Ende von Windows NT 4 eingeleiteten LiMux-Projekts in der bayerischen Landeshauptstadt besiegelt. In den nächsten Jahren wird München nun knapp 30.000 Rechner auf Windows 10 migrieren – etwa zwei Drittel davon laufen mit Linux, auf den anderen kommen noch ältere Windows-Versionen zum Einsatz.

Die Rückkehr zu Windows ist Teil einer großen Neuorganisation der städtischen IT-Infrastruktur auf Basis eines Gutachtens von Accenture. Was diese Neuorganisation kosten soll, sollte ursprünglich aus vergaberechtlichen Gründen nicht bekannt gemacht werden, allerdings wurde mittlerweile ein Kostenrahmen veröffentlicht (PDF). Demnach werden in den nächsten sechs Jahren Gesamtkosten von etwa 89 Millionen Euro entstehen, von denen 49,3 Millionen auf die »Schaffung eines einheitlichen IT-Arbeitsplatzes« entfallen. 36,8 Millionen Euro sollen in weitere Projekte gesteckt werden, da das Gutachten parallel zur Umstellung der Clients auch eine Modernisierung der Anwendungslandschaft empfiehlt. Unter anderem ist deshalb eine Erweiterung der Virtualisierungsumgebung vorgesehen. Dazu kommen schließlich Tests, Abnahmen und Schulungen, für die interne Kosten von 3,1 Millionen Euro bei den einzelnen Referaten und Eigenbetrieben veranschlagt werden.

Von den zahlungswirksamen Kosten von 86,1 Millionen Euro machen Lizenzen den größten Block aus. Hier geht es nicht nur um Lizenzen für Windows und Office, sondern auch Lösungen für Softwareverteilung, Lizenzmanagement, Druck- und Profilverwaltung, ein einheitliches Systemmanagement und Virtualisierung. Dazu werden 4,8 Millionen für neue Hardware, 13,4 Millionen für Dienstleistungen von it@M, dem städtischen IT-Dienstleister, 24 Millionen für externe Beratung sowie 14 Millionen für Personal kalkuliert.

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Kommentare (4) Alle Kommentare

Antwort von Thorben Kaufmann , 23:09 Uhr

Was will man erwarten. Konkubinenwirtschaft und Lobbysumpf soweit das Auge reicht. Gepaart mit planwirtschaftlichen Grundsätzen und sogenannten "freien Instituten". Ach ja, dann noch Politiker, die keine Ahnung haben.

Am Ende gewinnt der, der die Entscheider am besten manipuliert (womit auch immer).

Antwort von Simon , 16:08 Uhr

Also ganz ehrlich ich weiß dann eine Andere Staatliche Behörde grade für 36 Millionen Windows für 5 Jahre gekauft hat. Da ist noch kein Office mit drinnen. Und wenn ich den Lohn dazu rechne und die neuen Rechner denke ich wird der ganze Spaß um die 300 Millionen bis zum Abschluss kosten wenn es jemals abgeschlossen wird. Den es waren ja jetzt immer noch nicht alle Rechner auf Lumix umgestellt seit 2003

Antwort von PC-Flüsterer Bremen , 16:36 Uhr

Ist eigentlich ausreichend bekannt, dass Accenture sehr eng mit MS verbandelt ist? - Die ganze Aktion stinkt zum Himmel. Rückkehr zum Monopol auf Kosten der Steuerzahler - 100% Verschwendung. Und jetzt wird ernsthaft erwogen, auf Windows-10 (W-X) umzusteigen! Das Bayerische Landesamt für Datenschutz hat gerade eine Stellungnahme zum datenschutzkonformen Einsatz von W-X in Unternehmen veröffentlicht. Der Tenor lautet: Ja, aber. Mit Abstrichen und mit einer strengen Administration ist der Einsatz "erlaubt", NICHT "empfohlen". Und das gilt für Unternehmen. Ist der Einsatz in Behörden damit überhaupt genehmigungsfähig? Die Antwort kennen wir bereits aus anderen ähnlichen Untersuchungen: NEIN!