CRN-Interview mit Sascha Hirschoff von Polycom: »Die Akzeptanz hängt von der Qualität ab«

Im Interview mit CRN erklärt Sascha Hirschoff, Director Systems Engineers Central Europe bei Polycom, worauf es bei Collaboration ankommt und wie die Arbeit der Zukunft aussehen könnte.

Sascha Hirschoff, Director Systems Engineers Central Europe bei Polycom
(Foto: Polycom)

CRN: Herr Hirschoff, worauf kommt es bei Collaboration-Lösung an, was muss die alles können?

Sascha Hirschoff: Video- und Audio-Übertragung in hoher Qualität gehören genauso dazu wie die Möglichkeit, auf unkomplizierte Art und Weise Dokumente mit den Kollegen zu teilen. Kollaborations-Lösungen müssen intuitiv und einfach bedienbar sein und reibungslos funktionieren. Diese Faktoren müssen stimmen, damit die Lösungen gerne genutzt werden und ihre Vorteile ausspielen. Aber das Thema Collaboration umfasst eben weit mehr als die technischen Möglichkeiten. Smartphones, Videotelefonie und Co. haben vielmehr eine Veränderung der Unternehmenskultur angestoßen, die wegführt von der starren Präsenzpflicht hin zu flexiblen Arbeitsmodellen mit standortübergreifenden Teams und mehr persönlicher Freiheit. Das beinhaltet auch die Integration von Collaboration in den täglichen Arbeitsablauf.

CRN: In Unternehmen treffen inzwischen verschiedene Generationen aufeinander. Birgt das Konfliktpotenzial?

Hirschoff: Es gibt in allen Altersschichten Mitarbeiter, die Social Collaboration Tools regelmäßig und mit Begeisterung nutzen. Welcher Generation jemand angehört ist dabei weniger bedeutend. Vielmehr zählt wie überzeugt die Nutzer von den Vorteilen sind. Eine feste Integration der Lösungen in die Kommunikationskultur eines Unternehmens ist deshalb äußerst wichtig. Die Belegschaft muss verstanden haben, dass es sich nicht nur um irgendwelche neuen Tools handelt, sondern um neue Prozesse und einen Wandel der Arbeitskultur, der Vorteile für jeden einzelnen bringt.

CRN: Glauben Sie an ein baldiges Ende der Präsenzpflicht in Unternehmen?

Hirschoff: Ja, wir sind überzeugt, dass sich Unternehmen bald von der starren Präsenzkultur verabschieden werden. Anywhere working – also von überall arbeiten – ist der neue Ansatz. Wir gehen davon aus, dass schon bis 2020 die Mehrheit der Unternehmen auf flexible Arbeitsmodelle umstellen wird. In einer derartigen Unternehmenskultur spielen geografische Standorte nicht mehr die wichtigste Rolle. Rein theoretisch sind Unternehmens- oder Wohnorte für die Rekrutierung damit gar nicht mehr primär ausschlaggebend. Vielmehr stehen die Fähigkeiten und Erfahrungen eines Mitarbeiters im Mittelpunkt und ob er zum Unternehmen passt. Von der gewonnenen Flexibilität erhalten nicht nur Mitarbeiter Vorteile in Form von mehr Lebensqualität und einer besseren Work-Life-Balance. Die Arbeitgeber profitieren von motivierten, gesünderen Arbeitnehmern. Der zunehmende Einsatz von Kollaborations-Technologien sorgt zudem dafür, dass Unternehmen effizienter und produktiver werden und Kosteneinsparungen realisieren können. Schnellere und effizientere Prozesse führen letztlich auch zu kürzeren Produkteinführungszeiten. All diese Vorteile sind nicht an die strikte Anwesenheit der Mitarbeiter im Büro gebunden, sondern an den Einsatz moderner Collaboration-Technologien.

CRN: Gibt es gute Argumente für eine persönliche Präsenz?

Hirschoff: Es gibt weiterhin viele Berufe, die sich nur in Anwesenheit ausüben lassen wie viele Dienstleistungen oder Pflegeberufe. Aber auch in typischen Bürotätigkeiten bleiben der persönliche Austausch und Beziehungspflege nach wie vor wichtig. Allerdings lässt sich vieles davon mittlerweile durchaus mit Videotechnologie regeln und viele Geschäftsreisen sind streng betrachtet unnötig. Aus Gewohnheit halten Unternehmen und Mitarbeiter aber an alten Regeln fest. Die Betroffenen werden jedoch über kurz oder lang merken, dass auch ein regelmäßiger Austausch per Videotelefonie zur Beziehungspflege beiträgt. Wichtig ist, dass die Möglichkeit besteht, die Reaktionen des anderen zu sehen und das ist mithilfe von Videotelefonie gut möglich. Dann reicht es aus, sich nur noch ein paarmal pro Jahr tatsächlich persönlich zu treffen.

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