CRN Interview gebrauchte Software: »Dienstleistungen werden immer wichtiger«

2ndsoft-Geschäftsführer Dirk Lynen erklärt im Interview mit CRN, warum die Softwarehersteller mit ihren Mietmodellen die Nachfrage nach gebrauchten Kauf-Versionen weiter befeuern und wie sich das OEM-Aus für Windows 7 Professional auf den Gebrauchtmarkt und die Preise auswirkt.

Betrüger auf Kundenfang

CRN: Welche Probleme hat der Markt für gebrauchte Software aus Ihrer Sicht und wo liegen die Chancen für Anbieter und Reseller?

Lynen: Nach wie vor sind unzählige unseriöse Anbieter im Markt, die mit Download-Schlüsseln aus unbekannten Quellen auf Kundenfang gehen. Das Risiko trägt der Kunde, der im Zweifelsfall nichts in der Hand hält um sein Nutzungsrecht zu belegen.
Aktuell liegen große Chancen für den Handel darin, Lizenzen von Herstellern zum Kauf anzubieten, die mittlerweile dazu übergegangen sind, Mietmodellen den Vorzug zu geben. Da wären in erster Linie Adobe und Autodesk zu nennen. Wir bieten momentan beispielsweise AutoCAD LT 2017 zum Kauf statt zur Miete an.

CRN: Wird der Markt durch die zahlreichen Verfahren und Urteile gegen solche unseriösen Anbieter sicherer?

Lynen: Es scheint juristisch nicht einfach zu sein, unseriösen Anbietern schnell das Handwerk zu legen. Auf konkrete Anfrage bei wichtigen Herstellern bekomme ich oft zu hören, dass der entsprechende Anbieter bekannt sei, aber der Nachweis, dass es sich bei dessen Angeboten um illegale Produkte handele kompliziert sei und man „daran arbeite“, diesen zur Verantwortung zu ziehen.

CRN: Auf der anderen Seite wird auch immer wieder versucht, die seriösen Anbieter in die gleiche Ecke zu stellen. Haben die zahlreichen deutlichen Urteile zur grundsätzlichen Gleichberechtigung von gebrauchter Software in Ausschreibungen hier zu eioner Besserung geführt?

Lynen: Ich schätze es auch als Bürger, wenn ausschreibende öffentliche Körperschaften notfalls auch juristisch dazu angehalten werden, mit öffentlichen Geldern sparsam umzugehen. Die Gerichte haben in letzter Zeit viel dazu beigetragen, die Verunsicherung bei den Verantwortlichen zu verringern. Diese müssen einerseits dafür Sorge tragen, dass sie hieb- und stichfeste Lizenzen erhalten und andererseits die Ausschreibungen so formulieren, dass kein legales Gebrauchtangebot ausgeschlossen wird. Solange Hersteller hier mit ihrer Informationspolitik verunsichern, ist auf diesem Gebiet Streit vorprogrammiert.