CRN Interview gebrauchte Software: »Dienstleistungen werden immer wichtiger«

2ndsoft-Geschäftsführer Dirk Lynen erklärt im Interview mit CRN, warum die Softwarehersteller mit ihren Mietmodellen die Nachfrage nach gebrauchten Kauf-Versionen weiter befeuern und wie sich das OEM-Aus für Windows 7 Professional auf den Gebrauchtmarkt und die Preise auswirkt.

Vom Privatkunden bis zum Großunternehmen

CRN: Bei welchen Kundengruppen ist gebrauchte Software aus Ihrer Erfahrung besonders gefragt? Gibt es besonders beliebte Produkte?

Lynen: Unter den Kundengruppen gibt es da keine großen Unterschiede. Sowohl Privatkunden, Behörden als auch mittelständische und Großunternehmen verstehen die Vorzüge von Gebrauchtsoftware zu nutzen. Momentan verzeichnen wir neben der immer schon beliebten Microsoft-Office- und Windows-Software eine stark gestiegene Nachfrage nach Kaufversionen von Autodesk-Software wie Autodesk Product Design Suite, Inventor, AutoCAD oder AutoCAD LT.

CRN: Kaufen Unternehmen und Behörden hauptsächlich Vollausstattungen, oder geht es oft auch um Nachkauf bei Unterlizenzierung oder einer Erweiterung der Mitarbeiterzahl?

Lynen: Sowohl als auch.

CRN: Ist es für Unternehmen und Behörden genauso einfach, neue und gebrauchte Software zu verkaufen wie sie einzukaufen? Was müssen sie dabei gegebenenfalls beachten?

Lynen: Der Verkauf ist eher einfacher als der Kauf. Der Verkäufer bestätigt bei uns mit seiner Unterschrift lediglich, dass er selbst die Software auf legalem Wege erworben hat und dass er keinerlei Kopien zurückbehält. Ein seriöser Gebrauchtsoftwarehändler prüft die Lizenzen auf Originalität und Vollständigkeit und übernimmt dafür die Haftung, sodass der Verkäufer sich mit solchen ihm fremden Themen nicht beschäftigen muss.

CRN: Inwieweit bietet das Angebot gebrauchter Software Ihnen und Ihren Partnern im Fachhandel auch die Möglichkeit, Services wie Lizenzberatung und Software Asset Management anzubieten?

Lynen: Diese Dienstleistungen werden immer wichtiger, denn die Lizenzbedingungen sind heutzutage leider ähnlich komplex wie Gesetzestexte. Da kommt es nicht selten vor, dass Kunden ganz ohne Vorsatz falsch lizenziert sind. Gerade von den Fachhändlern ohne starke Herstellerbindung kann der Kunde hier eine ehrliche Bewertung seines Lizenzbestandes erwarten.