Milliarden-Deal mit Verlust abgeschlossen: Dell verkauft sein Softwaregeschäft

Kurz nachdem bekannt wurde, dass Dell mit Investoren über eine Übernahme seiner Softwaresparte verhandelt, ist der Deal jetzt schon abgeschlossen. Für zwei Milliarden Dollar wechselt der Bereich inklusive solch bekannter Namen wie Quest, SonicWall und Enstratius den Besitzer.

Erst am Wochenende hatten Insider überraschend von Verhandlungen zwischen Dell und einigen Interessenten für eine Übernahme der Softwaresparte des Unternehmens berichtet. Seit heute Nacht steht nun auch offiziell fest: Die erst vor vier Jahren gegründete »Dell Software Group« wechselt für rund zwei Milliarden Dollar den Besitzer. Käufer ist ein Joint Venture aus dem Finanzinvestor Francisco Partners und dem Hedgefonds Elliott Management. Mit dem Deal erwerben die Investoren unter anderem auch einige namhafte von Dell in den letzten Jahren zugekaufte Unternehmen wie den Softwarehersteller Quest, den Netzwerksicherheitsanbieter SonicWall und den Cloud Management-Anbieter Enstratius. Alleine diese drei Übernahmen hatten Dell seinerzeit deutlich mehr gekostet, als man jetzt mit ihrem Verkauf wieder einnimmt. Lediglich einige einzelne Bestandteile wie der Cloud-Integrationsspezialist Boomi sollen noch bei Dell verbleiben. Das seit 2013 wieder in privater Hand befindliche Unternehmen Dell braucht das Geld aus dem Verkauf offenbar, um die Schuldenlast aus der mehr als 60 Milliarden Dollar teuren Übernahme des Speicheranbieters EMC etwas reduzieren zu können.

Mit dem Verkauf seiner Softwaresparte geht Dell allerdings auch ein großes Risiko ein. Ausgerechnet in Zeiten sinkender PC- und Serverkäufe und der zunehmenden Wichtigkeit von Software für die Umsetzung von Themen wie Cloud Computing und Software-defined Datacenter setzt man in Texas künftig fast ausschließlich auf den volatilen Bereich Hardware. Zwar werden für die großen Cloud-Datacenter enorme Mengen an Servern und Speicherlösungen benötigt, allerdings handelt es sich dabei nur in den wenigsten Fällen um Hardware von der Stange, wie Dell sie anbietet. Die großen Anbieter wie Google und Facebook lassen sich ihre eigenen Server bauen und auch die meisten anderen Anbieter kaufen ihre benötigte Hardware direkt bei Anbietern wie Quanta, von denen auch Dell einen Großteil seiner Komponenten bezieht. Wie die Strategie in diesem hart umkämpften Markt zukünftig aussehen soll, will Dell erst nach dem Abschluss der Integration von EMC bekanntgeben.

»Die große Leidenschaft von Francisco Partners und Elliott Management für Technologie und ihre Erfolge beim Auf- und Ausbau des Softwaregeschäfts von Unternehmen wird sicherstellen, dass die treuen Mitarbeiter von Dells Softwarebereich weiterhin wichtige Innovationen liefern können«, erklärte Dells Finanzvorstand Tom Sweet in einem ersten Statement zum Verkauf. »Wir freuen uns darauf, weiterhin eng mit den Teams von Francisco Partners und Elliott Management zusammenzuarbeiten, um die schon jetzt großartige Beziehung zu unseren Kunden und Partnern weiter ausbauen zu können.«