Dirk Lynen im Interview mit CRN: Reseller müssen neue Wege gehen

Dirk Lynen, Geschäftsführer der 2ndsoft GmbH fordert im Interview mit CRN, Reseller müssten lernen, die »bewährten Distributionswege zu verlassen«, wenn sie vom wachsenden Geschäft mit gebrauchter Software profitieren wollen.

Erhöhte Nachfrage durch Mietmodelle

CRN: Was sind die wichtigsten Lizenzen für Ihre Kunden?
Lynen: Es geht tatsächlich in der Hauptsache um Microsoft-Lizenzen, und zwar sowohl um Office-Produkte als auch um Windows-Desktopbetriebssysteme und Server. Der von Microsoft ohne Nachfolger abgekündigte Small Business Server 2011 ist beispielsweise zurzeit bei uns sehr gefragt. Aber auch Autodesk-Produkte wie AutoCAD LT 2016 sind bei uns noch in großer Stückzahl verfügbar und werden zurzeit verstärkt nachgefragt, da Autodesk dieses Jahr komplett das Abonnement-Modell umstellt.

CRN: Führt die zunehmende Verbreitung von Cloud-Lizenzen (z.B. bei Adobe) in manchen Bereichen zu einer Angebotsverknappung und einem Abwandern von Kunden? Oder gibt das sogar Auftrieb, weil Unternehmen Lizenzen ihrer alten Software nachkaufen?
Lynen: Auch wenn der verstärkte Fokus der Softwarehersteller auf Cloud-Lizenzen vielseitig begründbar ist: Abonnement -Modelle scheinen eine konsequente Antwort der Hersteller auf die Rechtsprechung zum Thema Gebrauchtsoftware zu sein. Aus Gesprächen mit vielen unserer Kunden wird aber auch deutlich, dass es bei der Mehrheit einen Widerwillen gegen die Mietmodelle der Hersteller gibt. Dies führte bei Adobe-Produkten bereits zu einem starken Nachfrageanstieg und natürlich zu einer Angebotsverknappung und steigenden Preisen.
Aufgrund von EDV-Problemen bei den Cloud-Anbietern kam es in letzter Zeit zu einer ganzen Reihe von Meldungen, bei denen die Kunden nicht arbeiten konnten oder sogar einen Datenverlust beklagen mussten (z.B. Microsoft One-Drive oder Adobe Creative Cloud). Ob die Entwicklung zur Cloud eine Einbahnstraße ist, wird sich in einigen Jahren zeigen.

CRN: Inwieweit schlägt sich Windows 10 im Markt nieder? Gibt es beispielsweise nun vermehrt Angebote und/oder Nachfrage bei Windows 7?
Lynen: Wenn man den Meldungen Glauben schenken kann, dann ist Windows 10 relativ erfolgreich. Windows 7 wird aber bei uns ungebrochen nachgefragt. Man könnte vermuten, Windows 7 wird gerade wegen des Erfolgs von Windows 10 nachgefragt, da man es ja noch bis Sommer kostenlos in eine Windows 10 »verwandeln« kann. Windows 8.x ist allerdings kaum ein Thema, obwohl es ebenfalls zum kostenlosen Bezug eines Windows 10 dienen kann. Daher und aufgrund der aktuellen Zahlen von »Net Applications« vermute ich, dass Windows 7 noch eine ganze Zeit lang den größten Marktanteil für sich beanspruchen wird.

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