Lars, but not Least: Windows 10 und die digitale Unmündigkeit

Die Verbraucherzentrale kritisiert den Datenhunger von Windows 10 medienwirksam als »private Abhöranlage«. Auf gefährliche Weise wird den Nutzern damit wieder einmal die eigene Verantwortung für ihre Daten abgenommen, die sich eigentlich leicht schützen ließen.

(Foto: UMB-O - fotolia)

Mit einem schockierten Aufschrei kritisiert die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz Microsofts neues Betriebssystem Windows 10 als »private Abhöranlage«, die den Nutzer der »Überwachung bis zum letzten Klick« unterwerfe. Daraufhin suchen sofort Millionen von verunsicherten Nutzern völlig selbstverständlich auf Google nach der genauen Kritik der Verbraucherschützer. Sie füttern also die größte Datensammlungs- und Auswertungsmaschine der Menschheit der Menschheitsgeschichte mit der Verbalisierung ihrer Daten-Angst, um herauszufinden, inwieweit diese in Bezug auf Windows 10 gerechtfertigt sein könnte. Anschließend posten sie millionenfach auf der immensen freiwilligen Privatdatenbank Facebook, was für eine Sauerei diese Datensammelwut doch sei. Kein anderes Lebewesen kann in seiner selbst verschuldeten Paranoia so schön paradox handeln wie der Mensch.

Alleine schon dieser einfache Umstand zeigt dem informierten IT-Wissenden, dass es für diesen Aufschrei der Verbraucher und ihrer Vertreter eigentlich schon längst zu spät und die vermeintlich schockierende Erkenntnis der Verbraucherschützer, dass wir die als kostenlos gepriesenen digitalen Dienste und Mehrwerte meist mit unseren Daten bezahlen, alles andere als neu oder überraschend ist. Ganz im Gegenteil ist die unkontrollierte Datensammelwut längst mitten in unserem Alltag angekommen und wird nur allzu oft von genau jenen, die die größte Angst davor haben, noch freiwillig befördert. Psychologisch betrachtet liegt der Ursprung von menschlicher Angst meist im Unbekannten und dessen gefühlter oder erlebter Unkontrollierbarkeit bergründet. Also wäre es das vernünftigste, sich intensiv damit auseinanderzusetzen und so selbst wieder die Hoheit und Kontrolle über das eigene digitale Handeln zurückzugewinnen.

Doch statt den erschrocken aufhorchenden Nutzern hier endlich hilfreich auf dem Weg durch das Dickicht des digitalen Datendschungels weiter zu helfen, begehen die Daten- und Verbraucherschützer und ihre Nachbeter in der Gier nach medialer Aufmerksamkeit damit einen fatalen Fehler und schüren die Angst samt der damit verbundenen Schockstarre im Gefühl der Hilflosigkeit noch weiter. Damit wird der Verbraucher von seinen vermeintlichen Beschützern in der Debatte wieder einmal völlig entmündigt. Er wird als schutzloses Opfer der großen Datenkonzerne hingestellt, das sich wutbürgerlich protestierend und doch gleichzeitig bequem in dieser passiven Opferrolle einrichten kann.

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