Used Office gefragt: Zweistelliges Wachstum bei Gebrauchtsoftware

Seit die rechtlichen Unsicherheiten weitestgehend beseitigt sind, wächst der Markt für gebrauchte Software in ganz Europa enorm. Die Umstellung einiger Hersteller auf Miet-Modelle aus der Cloud bringt den Händlern gleichzeitig neue Kunden und zahlreiche nicht mehr benötigte Lizenzen ein.

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Der über 20 Jahre währende rechtliche Dauerstreit zwischen Softwareherstellern und dem Gebrauchtsoftwarehandel kann nach den Urteilen des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) und des Bundesgerichtshofs (BGH) aus den letzten zwei Jahren in weitesten Teilen als endgültig abgehakt angesehen werden. Die Richter haben klar entschieden, dass der Erschöpfungsgrundsatz auch für Softwarepakete gilt, selbst wenn diese aus Volumenlizenzen stammen oder per Download verkauft wurden. Rechtliche Versuche den Weiterverkauf beispielsweise per Vertragsbedingungen zu verbieten, sind damit genauso nichtig wie technologische Sperren in Form eines Kopierschutzes oder ähnliche Maßnahmen. Einzige Ausnahme sind Pakete aus Server-Lizenzen mit Zugriffsrechten für mehrere Clients, die nicht aufgesplittet und einzeln weiterverkauft werden dürfen.

Noch strittig ist indes, wie die Entscheidungen auf einige Sonderformen wie Apps oder Onlinespiele anzuwenden sind. Dies betrifft beispielsweise all jene Spiele die über fest mit Online-Plattformen wie dem Steam-Netzwerk verknüpfte Nutzeraccounts gekauft wurden. Während die Anbieter argumentieren, die Produkte seien fest an den Account gebunden und ein Weiterverkauf damit verboten, sehen die Gebrauchtsoftwarebranche und ihre Juristen dies anders und haben angekündigt, zu klagen. Schließlich handelt es sich oft um die gleichen Produkte, die auch als Box oder Download verkauft werden. Zudem ist es gerade bei dieser Art von Angeboten am einfachsten sicherzustellen, dass der ursprüngliche Besitzer die Software nicht selbst weiter nutzen kann.

In noch größerer Weise tritt diese Problematik bei Apps auf. Bislang verhindern alle großen Store-Anbieter wie Apple, Google und Microsoft, dass Nutzer ihre Apps wieder verkaufen können. Ob sich diese Praxis allerdings dauerhaft halten lässt, wird sich erst noch zeigen müssen. Hier sind in den nächsten Jahren noch einige Klagen zu erwarten. Immerhin sind Apps inzwischen ein einträgliches Geschäft, sowohl im privaten als auch im Unternehmensumfeld.

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