CRN 46 / 2014: Microsofts ERP-Ambitionen

Im Verbund mit der Online-Bürosoftware Office 365 und der Cloud-Plattform Azure will Microsoft mit neuen On-Premise- und SaaS-Versionen der Dynamics-Applikationen gegen die dominierenden Wettbewerber SAP und Oracle punkten.

Editorial

Im ERP-Markt dominieren bei Großunternehmen weltweit SAP als Nummer eins und Oracle als Nummer zwei. In Deutschland rangiert Oracle aufgrund historischer Versäumnisse unter ferner liefen. Bei kleinen und mittleren Unternehmen tummelt sich neben den beiden Riesen eine Riege international agierender Hersteller wie Epicor, IFS, Infor und Sage. Zusätzlich gibt es kleinere lokale Anbieter, die sich auf Mittelständler in ihrem Heimatland konzentrieren, in Deutschland zum Beispiel Pro Alpha.

Der Hersteller Microsoft möchte sich den Ankündigungen auf seiner Hausmesse Convergence in Barcelona zufolge künftig nicht mehr mit kleinen und mittleren Unternehmen begnügen, sondern gezielt auch Großunternehmen gewinnen. Das heißt: SAP und Oracle Kunden abjagen, da die Konzerne eigentlich schon mit ERP-Software versorgt sind. Keine leichte Aufgabe: Die Anwender haben viel in ihre Bestandslösungen investiert, und schlecht sind die Produkte von SAP und Oracle bekanntlich nicht. Microsoft versucht, den Cloud-Ansatz als Hebel einzusetzen: Dynamics AX und NAV gibt es On-Premise, NAV außerdem im SaaS-Modell und für AX soll diese Variante nächstes Jahr folgen. Sowohl SAP als auch Oracle haben ihr Kernangebot vorwiegend in On-Premise-Varianten im Einsatz. Salesforce.com hat es im CRM-Bereich geschafft, die Kunden von den Vorteilen des SaaS-Ansatzes zu überzeugen. Ob dies bei ERP, das als Kernbestandteil die Finanzbuchhaltung umfasst, ebenfalls gelingen kann, bleibt abzuwarten. In den USA ist der SaaS-ERP-Spezialist Workday auf dem Weg dorthin: Er setzte im vergangenen Jahr fast eine halbe Milliarde Dollar um. Zumal hierzulande sind die Sensibilitäten beim Datenschutz freilich größer.

Da Microsoft komplett indirekt vertreibt, fällt den Partnern eine Schlüsselrolle zu. Die bei Großunternehmen einflussreichen großen Systemintegratoren versucht der Hersteller derzeit, für sich zu gewinnen. Auch die angestammten Partner, die im Mittelstand unterwegs sind, müssen mitziehen, wenn die neue Strategie der Verzahnung mit anderen Produkten Erfolg haben soll: Die Partner müssen sich verbreitern und ihre Kompetenzen über die Dynamics-Anwendungen hinaus erweitern.

(Foto: CRN)

Mit den besten Grüßen

Werner Fritsch

CRN-Redakteur