Frankfurt wird elfte Infrastruktur-Region: Amazon Web Services eröffnet in Deutschland Rechenzentren

Nach anderen US-Konzernen kommt nun Amazon Web Services ebenfalls dem Anliegen deutscher Kunden nach und bietet Cloud-Dienste ab sofort auch aus hiesigen Rechenzentren an.

»Die Cloud ist in Deutschland angekommen.« Martin Geier, Deutschland-Geschäftsführer bei Amazon Web Services
(Foto: AWS)

Amazon Web Services (AWS), eine Tochter des Online-Händlers Amazon.com, hat die AWS EU (Frankfurt) Region eröffnet. Dabei handelt es sich um die elfte IT-Infrastruktur-Region des Cloud-Anbieters weltweit und die zweite Region innerhalb der EU, zusätzlich zur AWS EU (Ireland) Region. Damit können Unternehmen bei AWS jetzt in Deutschland Daten speichern und Anwendungen betreiben. Wie bei allen AWS-Regionen haben Kunden die Gewissheit, dass ihre Daten innerhalb der von ihnen gewählten Region bleiben. In Deutschland sind die Datenschutzgesetze strenger als in vielen anderen Ländern und auch die Empfindlichkeiten von Bürgern und Unternehmen größer. Nicht zuletzt sind durch die geografische Nähe zu hiesigen Anwendern Latenzzeiten, wie sie beim Cloud Computing entstehen, geringer. Über den DE-CIX-Knoten bietet Frankfurt außerdem einen leistungsfähigen Zugang zum weltweiten Internet-Backbone.

»Unser europäisches Geschäft wächst weiterhin rasant«, berichtet Andy Jassy, Senior Vice President bei AWS. Der Markt für Infrastructure as a Service (IaaS) sei durch hohe Volumina, geringe Margen und anhaltenden Preiswettbewerb gekennzeichnet. In Anbetracht der Nachfrage seien weitere Rechenzentrumskapazitäten erforderlich gewesen. Durch die Eröffnung einer zweiten europäischen Region und ihre Lage in Deutschland könnten nun deutsche Kunden mehr Arbeitslasten nach AWS verlagern und europäische Kunden ihre Architekturen über mehrere europäische Regionen hinweg aufbauen. An Regierungen würden Daten nur nach sorgfältiger Prüfung der Rechtslage herausgegeben.

»Viele Unternehmen haben damit gewartet, sensible Arbeitslasten in die Cloud zu verlagern, bis Rechen- und Dienstleistungszentren auf deutschem Boden verfügbar sind, um ihren internen Prozessen gerecht zu werden«, kommentiert Helmut Krcmar, Professor für Wirtschaftsinformatik an der TU München. Ein Beispiel ist der Medienkonzern Burda. Krcmar erwartet durch die neuen AWS-Rechenzentren einen Innovationsschub bei deutschen und europäischen Unternehmen. Die NSA-Affäre beunruhigt nach seinen Eindrücken die hiesigen Unternehmen nicht mehr sonderlich. »Die Cloud ist in Deutschland angekommen«, sagt Martin Geier, der in Deutschland die Geschäfte von AWS verantwortet. Da die Kosten in Frankfurt höher sind, erwartet Andreas Olah, Analyst bei der Marktforschungsfirma IDC, dass deutsche Kunden weniger sensible Daten auch weiterhin ins Ausland auslagern werden.

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