Gebrauchtsoftware: Die große PC Fritz Show

Nach der Großrazzia wehrt sich der umstrittene Gebrauchtsoftwarehändler. Neue Details kratzen jedoch weiter an der Glaubwürdigkeit des Shops und seines Geschäftsführers.

Maik Mahlow hält sich und sein Unternehmen für zu Unrecht beschuldigt. (Bild: Screenshot, pcfritz facebook)

Eine Woche nach der Razzia bei PC Fritz ist die Causa noch lange nicht abgeschlossen. Das Unternehmen pcfritz.de onlinestore GmbH (PC Fritz) und sein Geschäftsführer Maik Mahlow versuchen sich gegen die von Microsoft und der Staatsanwaltschaft erhobenen Vorwürfe zu wehren, man habe gefälschte Windows-Datenträger und Echtheitszertifikate (COAs) verkauft. Allerdings wehrt sich der für seine exzentrischen Auftritte bekannte Mahlow zunächst nicht gegen Microsoft selbst, sondern gegen die Presse. So will PC Fritz etwa der Zeitung Berliner Morgenpost per Einstweiliger Verfügung verbieten zu behaupten, das Unternehmen »verkauft und/oder besitzt Fälschungen und / oder Raubkopien des Microsoft-Betriebssystems Windows 7«. Auch Aussagen wie »pcfritz.de hat Raubkopien mit einer eigenen Verpackungen und gefälschten Echtheitszertifikaten versehen und zu weit unter dem Marktpreis liegenden Konditionen vertrieben« sollen der Morgenpost damit untersagt werden.

Dabei ist zumindest die letzte Passage völlig unstrittig, wie diverse Händler gegenüber crn.de bestätigen. Ein Preis von weniger als 20 Euro für Windows 7 Professional Lizenzen sei selbst im Gebrauchtmarkt enorm niedrig angesetzt. Auch ob die von PC Fritz abgemahnte Aussage, es seien der »Firma Microsoft wirtschaftliche Einbußen und den Kunden und Händlern der Firma Microsoft Schäden entstanden«, wirklich falsch ist, darf angezweifelt werden. So haben etwa nachweislich einige Kunden, Händler und Remarketer wegen bei PC Fritz gekauften Lizenzen und Datenträgern bereits ebenfalls direkt Ärger mit Microsoft bekommen. »Unser Mandant hatte die DVDs bei PC Fritz erworben und - im Vertrauen auf die Echtheit - die Software dann über eBay weiterverkauft. MS hat dann bei einem Testkauf die Fälschung entdeckt und geht nun gegen unseren Mandanten vor«, berichtet beispielsweise Anwalt Christian Solmecke von der Kanzlei Wilde Beuge Solmecke, gegenüber crn.de. Microsoft habe dabei sowohl die DVDs als auch die Echtheitszertifikate als Fälschungen identifiziert. Die Kanzlei versuche deshalb nun, PC Fritz für den Schaden in Haftung zu nehmen, so Solmecke weiter.

In einer öffentlichen Stellungnahme beteuert Mahlow, es handle sich um echte Datenträger von OEM-Herstellern: »Microsoft wirft unserem Unternehmen Produktpiraterie und Urheberrechtsverletzungen vor, da wir mit gebrauchten OEM-Recovery-Datenträgern handeln, welche im Namen und auf Rechnung des jeweiligen OEM-Partners in den Vertrieb gebracht worden sind«. Die Vorwürfe seien damit nicht gerechtfertigt und außerdem von Microsoft nicht stichhaltig belegt worden. »Eine Historie über den Beschaffungsweg können wir nachweisen und werden die von Microsoft autorisierten Partner, Reseller, Systemhäuser sowie Refurbisher namentlich erwähnen«, verspricht Mahlow, seine Unschuld zu beweisen. Warum sich PC Fritz allerdings zunächst rechtlich gegen eine Zeitung wendet, statt gegen Microsoft als den Urheber der Vorwürfe und die Staatsanwaltschaft Halle, die auf dieser Basis genug Beweise für eine Großrazzia gesehen hat, ist unklar. Mahlow hat jedoch für kommenden Montag eine Pressekonferenz angekündigt, auf der PC Fritz Stellung eingehend zu den Ereignissen nehmen will. Wahrscheinlich wird es dabei wieder eine große Show geben, wie sie Mahlow bei seinen Werbeauftritten liebt.