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ICANN verliert die Geduld

Amazon erhält .amazon-Domain

22. Mai 2019, 07:53 Uhr   |  Daniel Dubsky

Amazon erhält .amazon-Domain
© jotily - AdobeStock

Amazonas in Brasilien

Weil sich die Amazonas-Staaten im Streit um .amazon nicht mit Amazon einigen konnten, wird die ICANN nun den Antrag des Online-Händlers bearbeiten und ihm damit die Top-Level-Domain zuschlagen.

Lange hatten Amazon und die Amazonas-Staaten um die neue Top-Level-Domain .amazon gerungen, nun zeichnet sich ein Sieg des Online-Händlers ab. Der hatte die TLD und zwei Varianten davon bereits 2012 beantragt, doch Brasilien und Peru meldeten – mit Zustimmung durch Bolivien, Ecuador und Guyana – offiziell Bedenken an. Über die Jahre konnte jedoch keine Einigung erzielt werden, weshalb die ICANN nun die Geduld verlor und den Antrag zur Bearbeitung weiterreichte. Damit dürfte Amazon in Kürze die TLD .amazon zugeschlagen bekommen.

Aufgrund ihrer »untrennbaren semantischen Beziehung zum Amazonas-Regenwald« sollte die Domain »keinesfalls das Monopol eines Unternehmens sein«, hatte Brasilien noch im März argumentiert. »Im Gegenteil, es ist unerlässlich, dass die betroffenen Staaten an der Verwaltung und Nutzung der Domain beteiligt sind, um das natürliche, kulturelle und symbolische Erbe der Amazonas-Region zu verteidigen sowie die einheimische Wirtschaft und digitale Integration der dort lebenden Bevölkerung zu fördern.«

Über Jahre hatte die ICANN versucht, zwischen den beiden Parteien zu vermitteln, und ihnen im März noch mal Zeit eingeräumt. Sie seien jedoch »nicht in der Lage gewesen, zu einer für beide Seiten akzeptablen Lösung zu kommen oder sich auf eine Verlängerungen der Frist für weitere Diskussionen zu einigen«, konstatiert die Behörde nun.

Sie hatte vor gut zehn Jahren die strikten Vorgaben für Top-Level-Domains gelockert und damit den Weg freigemacht für neue TLDs, etwa die Marken von Firmen. Auf diese Weise können Unternehmen ihren eigenen Adressraum erhalten und als eine Art Registrar Webadressen in diesem Adressraum vergeben. Der große Boom blieb jedoch aus; zwar beantragten viele Firmen eigene TLDs, doch genutzt werden diese nur selten. Insofern bleibt abzuwarten, was Amazon mit .amazon vorhat.

Im April hatte der Online-Händler in den Gesprächen mit den Amazonas-Anrainern angeboten, die TLD nur für eigene Marken zu nutzen und nicht mit Begriffen, die für die Amazonas-Region eine kulturelle Bedeutung besitzen. Neun Domainnamen sollen die Staaten zudem für nicht-kommerzielle Zwecke verwenden können, um »die Sichtbarkeit der Region zu steigern«.

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