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Tech-Konzern leidet unter Trumps Protektionismus

Google muss Fertigung aus China abziehen

14. Juni 2019, 13:16 Uhr   |  Lars Bube

Google muss Fertigung aus China abziehen
© olavs - AdobeStock

Mit seiner aggressiven Wirtschaftspolitik schadet Trump auch der eigenen Industrie

Wegen der Strafzölle und Exportverbote der US-Regierung muss Google für die bisher in China stehende Fertigung zahlreicher Hardware-Produkte von smarten Thermostaten bis hin zu Servern neue Produktionsstandorte finden.

Die Strafzölle und Exportverbote der US-Regierung treffen Google nicht nur als Softwarehersteller, der sein mobiles Betriebssystem Android künftig möglicher Weise nicht mehr an chinesische Hersteller wie Huawei ausliefern darf. Auch bei zahlreichen Hardware-Produkten verursachen die Sanktionen dem Unternehmen erhebliche Kopfschmerzen, da es seine Geräte bislang fast ausschließlich in China herstellen lässt. Das gilt insbesondere für die Server für seine eigenen Cloud-Datacenter. War es bisher stets ein Vorteil, dass Google dafür nicht auf fertige Stangenware zurückgreift, sondern sich nach eigenen Vorstellungen Komponenten bauen lässt und diese dann selbst assembliert, hat sich dies nun umgedreht. Denn während komplette Rechner und Server bisher noch zollfrei sind, um die amerikanischen Hersteller zu schützen, werden auf einzelne Bauteile wie Motherboards Strafzölle von bis zu 25 Prozent fällig. Hinzu kommt nun außerdem die Gefahr, dass die notwendigen Technologien und Spezifikationen für die Server-Hardware unter die Exportverbote fallen könnten. Google geht deshalb auf Nummer Sicher und ist derzeit in Zusammenarbeit mit seinen Fertigungspartnern dabei, die komplette Produktion der entsprechenden Komponenten nach Taiwan zu verlagern.

Die gleichen Probleme treffen Google aber auch in anderen Segmenten, wie bei Smart-Home-Geräten und Smartphones. Sowohl die smarten Google-Home-Lautsprecher als auch die vernetzten Kameras, Thermostate, Klingeln und anderen unter der Marke Nest versammelten Geräte sollen deshalb künftig vorwiegend in Malaysia und teils ebenfalls in Taiwan hergestellt werden. Auch für die Produktion der Pixel-Smartphones muss wohl ein neues Zuhause gefunden werden. Zum Glück hatten Google und der Fertiger Foxconn an den alternativen Standorten in den letzten Jahren sowieso schon investiert und Kapazitäten aufgebaut. Diese reichen allerdings zum aktuellen Zeitpunkt bei weitem noch nicht aus, um Googles komplette Produktion zu übernehmen, zumal aktuell auch viele andere Hersteller wegen der gleichen Probleme eine Verlagerung dorthin anstreben.

Dieses Beispiel von Google zeigt gleich in mehrfacher Hinsicht, wie unüberlegt Trumps Handels-Zündeleien und Wirtschafts-Protektionismus sind. Einerseits schaden sie direkt auch den heimischen Herstellern in nicht zu unterschätzendem Maße. Andererseits verhindern sie auch nicht den Abfluss von Technologien und Knowhow an chinesische Unternehmen. So wird etwa Foxconn auch in Zukunft weiterhin fleißig für westliche Firmen produzieren und dadurch Zugang zu deren Wissen bekommen – nur werden die Fertigungsstraßen und Arbeitercamps eben in anderen Ländern als China stehen.

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